Lifestyle aus dem 3D-Drucker

Mach mir einen Eierbecher!

SWR2 Impuls. Von Katharina Thoms. Internetfassung: Monja Czechanowski & Ralf Kölbel

Science Fiction sind 3D-Drucker schon lange nicht mehr, mittlerweile sind sie auch für Privatpersonen erschwinglich. Aber wie funktioniert so ein Gerät? Wir haben uns von Mitgliedern eines Hacker-Vereins in die Geheimnisse der dreidimensionalen Reproduzierbarkeit einführen lassen. Auch völlig neue Dinge, wie beispielsweise der selbstgestylte Eierbecher lassen sich damit produzieren.

Druck mir einen Eierbecher

Eierbecher aus dem 3D-Drucker

Im Moment findet man 3D-Drucker vor allem bei Technikfreaks und Computernerds: Zum Beispiel bei den Stuttgarter Hackern vom Verein shackspace. Dort stehen mehrere 3D-Drucker.

Druck mir einen Eierbecher

Informatikstudentin rixx schaut gespannt zu, wie der 3D-Drucker druckt.

Vielleicht werden wir in ein paar Jahren über die ersten Geräte lachen, so wie heute über die uralten ruckeligen Nadeldrucker von damals. Jetzt aber gucken ein Informatiker und eine Informatikstudentin im hintersten Raum des riesigen Stuttgarter Hackertreffs, shackspace gespannt auf das ruckelnde Gerät.


Wie funktioniert ein 3D-Drucker?

Eine nadeldünne Düse spritzt senkrecht heißen, durchsichtigen Kunststoff auf eine ruckelnde Platte. Schicht für Schicht wird er in dünnen Streifen aufgetragen, sodass eine Art Würfel entsteht. Am Ende soll das mal ein Eierbecher werden.


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01:28 min


Konstruktion mit CAD

Druck mir einen Eierbecher

Mit einem CAD-Programm wird das virtuelle Modell am Computer konstruiert.

ttb und rixx heißen die beiden Informatiker. Niemand nennt sich hier im shackspace beim bürgerlichen Namen. rixx - die junge Frau mit den blauen kurzen Haaren und Brille lernt heute, wie aus dem aufgewickelten Kunststoffschlauch ein Eierbecher wird. Der Kunststoff ist das Ausgangsmaterial, sozusagen die Druckerschwärze für den 3-D-Druck. Grundsätzlich kann jede Form gedruckt werden. Das Modell wird am Rechner mit einem so genannten CAD Programm (computer-aided Design) konstruiert.

Druck mir einen Eierbecher

Das Modell wird von ttb und rixx ausgedruckt.

Nach knapp zwei Stunden Designen dreht rixx den zukünftigen Eierbecher am Bildschirm mehrfach um seine eigene Achse: Ein Würfel mit großer Aushöhlung in der Mitte für das Ei. Das Modell ist also fertig. Dann wird der Entwurf vom Laptop - fast wie beim Papierbedrucken - per Druckauftrag zum Drucker geschickt.


Ausgangsmaterial Polylactide

Druck mir einen Eierbecher

So ein 3D-Drucker sieht ziemlich kompliziert aus.

Der Drucker sieht so ähnlich aus wie eine sehr komplizierte Nähmaschine ohne Abdeckhaube: Viele Stangen, Schräubchen und Zahnräder greifen hier ineinander. Über der Konstruktion ist eine Art Kabeltrommel aufgehängt von der sich nach und nach das Ausgangsmaterial abwickelt – hier ein dünner Schlauch aus Polylactid, auch genannt Polymilchsäure (kurz PLA), einem biokompatiblen Kunststoff. Andere Materialien außer Kunststoff, die beim 3-D-Drucken verwendet werden können, sind Kunstharze, Keramiken und Metalle.

Druck mir einen Eierbecher

Spulen mit dem Ausgangsmaterial

Beim Papier und Tintenstrahldruck lässt sich die Farbintensität einstellen. Hier kann man Temperatur regeln, und damit die Viskosität des Materials. Mit etwa 190 Grad fließt also das heiße PLA langsam aus der Düse auf eine Druckplatte. Der Druckkopf kann sich nur nach links und rechts sowie nach oben und unten bewegen. Die dritte Dimension – die Bewegung nach vorn und hinten – übernimmt die Druckplatte.

3-D-Drucker: auch im privaten Gebrauch nützlich

Druck mir einen Eierbecher

Schicht für Schicht wird das Modell ausgedruckt.

Der Drucker formt den Eierbecher ja nicht aus einem Klumpen Plastik – sondern er spritzt millimeterdünne Schichten übereinander. Immer wieder ziehen der Druckkopf und die Platte ihre Bahnen. Langsam entsteht ein Quadrat aus dünnen Kunststofflinien, die im Wabenmuster angeordnet sind. Genial ist diese Erfindung, weil man etwa Prototypen ganz einfach damit drucken kann.

Druck mir einen Eierbecher

Studentin rixx begutachtet den fertigen Eierbecher.

Auch im privaten Gebrauch ist vieles denkbar: für Handyhüllen, Schrankknöpfe oder Ersatzteile für den Staubsauger, die nicht mehr hergestellt werden. Für rixx ist der 3Drucker auch mehr als nur Technikgimmick – sie will den Drucker im Studium nutzen. Den zweiten 3D-Drucker im shackspace haben sich ttb und die anderen einfach selbst gedruckt – zumindest die Kunststoffverbindungen und Zahnräder. Ein Drucker druckt den anderen. Gekostet hat das in diesem Fall rund 700 Euro. Der Druck läuft problemlos.

Druck mir einen Eierbecher

Selbstgemachte Eierbecher

Der Druckkopf spart in der Mitte des Schichtenwürfels eine Vertiefung aus: Da soll später das Ei hinein. Und nach einer Stunde fehlerfreiem Drucken und gucken dann: Dreieinhalb Stunden Arbeit für einen Eierbecher. Aber: Er ist ein Unikat!

Stand: 23.04.2014, 14.45 Uhr