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Das Methusalem-Gen Forscher knacken Code für langes Leben

Warum werden manche Menschen uralt und bleiben fit, obwohl sie Zeit ihres Lebens ungesund gelebt haben? Diesem Geheimnis wollten amerikanische Forscher auf den Grund gehen. Sie haben herausgefunden: Es sind bestimmte Gene, die für ein langes Leben sorgen.

Antisa Khvichava ist alt. Ziemlich alt sogar. Fast 130 Jahre, behauptet das georgische Justizministerium und beruft sich auf Unterlagen, nach denen sie am 8. Juli 1880 geboren wurde. Vor ein paar Wochen klagte Antissa Chwitschawa darüber, daß sie leider nicht mehr arbeiten könne – sie sei nun doch etwas zu gebrechlich. Aber bis auf schlechter funktionierende Augen und Ohren ist Khvichava für ihr Alter erstaunlich gesund. Das Rezept der Georgierin für ein langes Leben: ab und zu ein Wodka und eine Partie Backgammon. Dass Menschen heute immer älter werden, ist bekannt. Doch warum manche ein Rekord-Alter erreichen und dabei geistig und körperlich so fit bleiben, gab den Forschern lange Zeit Rätsel auf.

Gute Gene und andere Rezepte für's Altwerden

die Französin Jeanne Calment

Gilt als offiziell älteste Frau der Welt: die Französin Jeanne Louise Calment. Sie wurde 122 Jahre alt. Calment traf den Maler Vincent van Gogh und fand ihn schmutzig und schlecht gekleidet. Mit 85 Jahren fing die rüstige Seniorin noch das Fechten an und fuhr mit 100 noch Fahrrad. Nach einiger Aussage tat sie nie etwas Besonderes, um sich gesund zu halten. Hier posiert sie im Jahr 1997 für einen Fotografen, wenig später starb sie.



Hermann Dörnemann

Mit Alt alt geworden: Der Düsseldorfer Hermann Dörnemann. Er galt zwischenzeitlich als ältester Mann der Welt und starb am 2. März 2005 im Alter von 111 Jahren. Sein Motto: Sport ist Mord und jeden Tag ein Altbier. Außerdem, berichtet die Tochter, habe ihr Vater wegen der Vitamine immer das Kochwasser von den Kartoffeln getrunken.



Johannes "Jopi" Heesters

106 und noch kein bisschen müde - der Schauspieler und Entertainer Johannes "Jopi" Heesters. Er steht nach wie vor auf der Bühne. Einen Whiskey und zwei Zigaretten genehmigte sich Heesters bis vor nicht allzu langer Zeit täglich und preist auf seiner Internetseite selbstgemachten Knoblauchschnaps - am besten mit Genever. Die Schauspiellegende ist mit der 46 Jahre jüngeren Simone Rethel verheiratet - auch das halte ihn jung, sagt er.



Queen Mum

Wurde 101 Jahre alt und war bis kurz vor ihrem Tod noch ungeheuer rüstig: Queen Mum. 51 öffentliche Termine nahm die britische Königsmutter in ihrem letzten Lebensjahr noch wahr. Queen Mum, eigentlich Lady Elizabeth Bowes-Lyon, war bei ihren Landsleuten ungeheuer beliebt. Unter anderem weil sie bis zum Schluss keinen Hehl aus ihrer Leidenschaft für Gin und Pferdewetten machte. Sie starb im März 2002.



Boxer Max Schmeling

Boxlegende Max Schmeling: Er wollte 100 werden und starb kurz vorher - am 2. Februar 2005. Sein größter Triumph: der Sieg über den Amerikaner Joe Louis 1936. Hellwach und körperlich fit bis weit in die 90er hinein beeindruckte Schmeling mit einem Händedruck wie ein Schraubstock. Einmal die Woche traf er sich mit Freunden zum Skat, bis ins hohe Alter ging er auf die Jagd.



Wolfgang Wagner langjähriger Leiter der Bayreuther Festspiele

Er war Bayreuther Urgestein: der langjährige Leiter der gleichnamigen Festspiele, Wolfgang Wagner. Er starb in diesem Jahr mit 91 Jahren. Seine Arbeit und die Leidenschaft für die Festspiele hielten den als etwas ruppig geltenden Patriarchen stets in Bewegung. Erst 2008 trat er von seinem Posten zurück und übergab die Leitung "auf dem Hügel" an seine beiden Töchter.



Die Suche hat sich gelohnt

Nun haben Forscher vom Boston Medical Center in der bislang weltweit umfangreichsten Studie herausgefunden: Im Erbgut der untersuchten über 100-Jährigen gibt es übereinstimmende Faktoren, die für ein langes Leben ausschlaggebend sind. Mehr noch: "Ihnen gelingt es, erste größere Verschleißerscheinungen über die späten 90er-Jahre ihres Lebens hinauszuschieben", sagt der Mediziner und Leiter der Studie Professor Thomas Perls. Seine Kollegin Paola Sebastiani  hat ein statistisches Modell entwickelt, das zeigt, wie diese genetischen Marker zusammenwirken. Die Genauigkeit dieses Modells liegt bei 77 Prozent.

Alters-Gene haben das Sagen

Das verblüffende Ergebnis der Gen-Analyse: Im Erbgut der 1600 Probanden waren genau so viele krankmachende Genvarianten wie in der Kontrollgruppe. Dafür fanden die Forscher aber mehr Gene, die das Älterwerden fördern: "Diese löschen die Effekte der genetischen Krankheitsvarianten aus", erklärt Sebastiani. Alzheimer, Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall, Bluthochdruck und Krebs machten sich im Vergleich zur Normalbevölkerung bei alten Menschen mit diesem genetischen Hintergrund sehr viel später bemerkbar oder traten gar nicht auf. In 19 Gruppen konnten die Wissenschaftler die Senioren auf Grund ihrer Erkenntnisse einteilen. Die Gruppe der "Super-Hunderjährigen", also der Personen im Alter von mindestens 110 Jahren, wies dabei die meisten Genvarianten für Langlebigkeit auf.  

Fundiert, aber nicht eindeutig

Doch lässt sich mit diesen Erkenntnissen nun ein langes Leben sicher voraussagen oder gar genetisch "programmieren"? "Wir haben nun genetische Marker für das Altern identifiziert, kennen aber noch nicht deren genaue Funktion und wissen nicht, welche biologischen Phänomene das Altern bewirken", sagt Statistikerin Sebastiani. Die Forscher vergleichen die Wahrscheinlichkeit der Prognose mit einem fundierten Wetterbericht. Der könne eintreten, müsse aber nicht.

Ein wichtiger Schritt, aber erst der Anfang

Es sind rund 150 Gene, die an der vererbbaren Langlebigkeit des Menschen beteiligt sind. Und in Kombination miteinander ergeben sich daraus schier unendliche Möglichkeiten. Man sei schon froh, wenn man vorhersagen könne, dass ein Mensch wahrscheinlich 100  oder 110 Jahre alt werde, sagt Thomas Perls. Und: "Geräte für Gentests, die bereits auf dem Markt sind und nach genetischen Krankheitssignaturen suchen, können wohl kaum eine auch nur annähernd akkurate Prognose liefern", fügt er hinzu. Es bestehe noch viel Forschungsbedarf. Die Forscher müssen und wollen die Genauigkeit der Ergebnisse noch verbessern. Aber eines kann Perls schon jetzt definitiv sagen: alt werden bedeutet nicht automatisch Krankheit und Siechtum.


Simone Lafos, Klaus Herbst

Quelle: SWR cont.ra

Letzte Änderung am: 02.07.2010, 11.06 Uhr