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Studenten lernen in der Uni. Und wenn man nicht studiert und trotzdem neugierig ist? Dann kann man sich vors Radio setzen und die SWR2 Aula hören. Seit 60 Jahren gibt es die halbstündige Sendung im Kulturradio SWR2 (früher SWF) jeden Sonntag um 8.30 Uhr.
Hier verlassen Hochschullehrer ihren universitären Elfenbeinturm, um ihre Theorien, Visionen, Erkenntnisse und Fragen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. In eigens fürs Radio produzierten Vorträgen wenden sich hochkarätige Professoren und Dozenten an jeden einzelnen Hörer und erklären ihm ihre Welt. Zugleich konserviert die SWR2 Aula den Zeitgeist.
Die Reihe dokumentiert 60 Jahre Radio-, Ideen-, Wissenschafts- und Kulturgeschichte in Deutschland. Ernst Bloch, Arnold Gehlen, Carlo Schmid, Theodor W. Adorno, Alexander Mitscherlich, Peter Sloterdijk, Gerhard Roth, Hans Küng, Manfred Spitzer – wer im Deutschen Geistesleben etwas zu sagen hat, war und ist in der SWR2 Aula zu Gast. Bis heute gab mehr als 3000 Sendungen – ein Archiv deutscher Geistesgeschichte.
Die erste „Aula“ wurde am 14. September 1947 ausgestrahlt. In der Nachkriegszeit hatte die Sendung immer auch eine politische Funktion. Mit einem auf Wahrheit und Objektivität gerichteten Wissenschaftsverständnis grenzte sie sich ab von der „Propaganda“ im Dritten Reich, die auch die Wissenschaften vereinnahmt hatte. Von Beginn an sollte die „Aula“ einen Querschnitt der wissenschaftlichen Diskussion der Zeit liefern und zugleich Orientierung und ethische Maßstäbe bieten. Dem entsprechend dominierten in den späten 40er und dann auch 50er Jahren christlich-religiöse Themen mit Beiträgen, die die moralischen, philosophischen und historischen Fundamente der demokratischen Ordnung beleuchteten.

Kinder-Uni Tübingen
In den 70er Jahren prägten Wissenschaften wie die Soziologie, die Psychologie oder Germanistik das Profil vieler Sendungen. Heute sind es die Neurowissenschaften und die pädagogischen Disziplinen, die helfen, etwa auf den „PISA-Schock“ neue Antworten zu finden. Antworten auf ihre Fragen bekommen auch jüngere Aula-Hörer: In Analogie zum erfolgreichen Konzept der Kinder-Uni laufen seit 2005 jeweils zu Pfingsten die Vorträge für Kinder.
Das Besondere an der „Aula“ ist auch der intime Charakter dieser Art von Wissensvermittlung: Der Vortragende wendet sich quasi an jeden einzelnen Hörer. Jeder fühlt sich als Individuum angesprochen, und zwar so, als würde der verehrte Herr Professor mit ihm am Frühstückstisch sitzen, um ihm scheinbar beiläufig die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung mitzuteilen. Dieser eigentümliche Geist des Radios ist bis heute lebendig, er macht die Faszination dieser Sendung aus. Außerdem: Radio konserviert den Zeitgeist. Die „Aula“ dokumentiert nunmehr 60 Jahre Radio-, Ideen-, Wissenschafts- und Kulturgeschichte in Deutschland.
Letzte Änderung am: 05.09.2007, 15.41 Uhr