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Neuer Opernintendant in Stuttgart "Wunderbare Arbeitsbedingungen" für Jossi Wieler

"Die Nachtwandlerin" ist Jossi Wielers erste Inszenierung als Intendant der Stuttgarter Oper. Ihm zur Seite stehen der Dramaturg Sergio Morabito und die Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock. Die drei haben bereits 2002 gemeinsam das Schwesterwerk der "Nachtwandlerin", Bellinis "Norma", auf die Stuttgarter Bühne gebracht. Annette Krause traf Wieler für die Landesschau KulTour an seinem neuen Arbeitsplatz an der Stuttgarter Oper.

Annette Krause: Herr Wieler, Sie haben schon oft in Stuttgart inszeniert, es ist fast wie eine zweite Heimat für Sie geworden. Und jetzt sind Sie als neuer Intendant zurückgekehrt. Wie fühlt es sich an?
Jossi Wieler: Ja, es ist wirklich ein Nachhausekommen, das kann ich sagen. Ich bin ja 17 Jahre als Regisseur am Haus tätig und habe mir sehr lange überlegt, ob ich diese Intendanz übernehmen soll. Mittlerweile spielen wir dreieinhalb Monate. Für mich war es ganz wichtig, auch zu inszenieren, also als regieführender Intendant zu arbeiten, weil das mein Beruf ist.

Sie kennen die Stuttgarter Oper aus jahrelanger Arbeit. Was macht für Sie das Stuttgarter Haus aus?
Es sind einfach wunderbare Arbeitsbedingungen. Die Leute, die auf und hinter der Bühne miteinander arbeiten, die Werkstätten und auch die Proberäumlichkeiten sind alle erste Klasse. Das Stuttgarter Publikum ist ein unglaublich neugieriges und interessiertes Publikum - auch bei Werken, die gar nicht so gängig sind. Trotzdem nehmen sie sie immer sehr offen und bereitwillig auf.

Es heißt, Sie kennen jeden beim Stuttgarter Opernchor mit Namen. Stimmt das?
Das stimmt. Aber ich kenne jetzt als Intendant ganz bestimmt noch nicht alle Mitarbeiter. Es sind so viele dazugekommen. Aber im näheren Umfeld, und dazu gehören der Chor, die Künstler und die Assistenten, ist es ja klar, dass man die Namen kennen sollte.

Sie haben sich für Ihren Einstieg die "Nachtwandlerin" von Vincenzo Bellini ausgesucht. Warum gerade dieses Stück? Etwa, weil es in einer Schweizer Idylle spielt?
Nein, das ist eher ein Zufall. Es ist ja auch ein fiktives Schweizer Bergdorf. Bellini war nie im Kanton Appenzell. Sergio Morabito und ich haben vor zehn Jahren die "Norma" von Bellini hier auf die Bühne gebracht und dieses Werk entdecken und durchdringen dürfen. Das hat uns sehr viel Spaß gemacht. Sergio Morabito ist ein großer Bellini-Kenner. Er hat mich für die "Nachtwandlerin" begeistert und ich habe mich auch dafür begeistern lassen. Es ist ein Werk, was viele Zwischenräume hat, wo viele Feinheiten im Text und in der Musik beim Inszenieren sichtbar gemacht werden können, wo vieles noch nicht vordeterminiert ist durch die Musik, wie oft bei anderen Komponisten. Das ist ein großer Anreiz.

Gibt es etwas an dem Stück, was Sie besonders begeistert?
Ja, sehr vieles natürlich. Es ist auch das Thema des Schlafwandelns. Das Stück ist 1831 entstanden, also einige Jahrzehnte vor Sigmund Freud, und es behandelt natürlich vieles, was mit dem Unterbewussten zu tun hat, mit verdrängten Sehnsüchten, verdrängter Lust. Es geht auch um einen Vater-Tochter-Konflikt, wie ein umgekehrter Ödipus-Konflikt. Oder eher um eine Liebe von einem Vater zu seiner Tochter. Ein Graf kommt zurück und verliebt sich in ein Mädchen und ahnt, dass es seine Tochter sein könnte, weil er deren Mutter vor vielen Jahren geschwängert hatte und dann verschwunden ist. Diese Begegnung und was das über Verdrängtes erzählt, ist - neben vielem anderen - etwas ganz Besonderes.

In der "Nachtwandlerin" führen Sie Regie, aber es ist natürlich auch die erste Arbeit als Intendant. Sie wirken ja immer ganz entspannt. Kennen Sie Lampenfieber?
Soll ich Ihnen jetzt sagen, wie oft ich nicht schlafe in der Nacht? Nein, aber die Arbeit macht einfach viel Spaß und gibt Energie zurück. Es ist ein großartiges Ensemble mit allen Solisten und dem Chor. Es ist nicht umsonst der beste Chor in diesem Land. Da kriegt man viel Zuversicht und Sicherheit. Und wenn man nicht alles vorher weiß, sondern es gemeinsam versucht zu entwickeln, zu kreieren, dann entstehen die spannendsten Dinge und dann kann man einigermaßen gelassen bleiben. Aber die Spannung bleibt natürlich.




Webfassung: Désirée Lanzenberger

Quelle: SWR.de - Kultur

Letzte Änderung am: 12.01.2012, 14.27 Uhr

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