Sendung vom Samstag, 13.8.2011 | 17.05 Uhr | SWR2
im Gespräch mit Alexander Stein

Hartmut Richter ist 13 Jahre alt, als Soldaten, Stacheldraht, Sperrzäune und dann eine 1,60 hohe Mauer Betonmauer an der Bernauer Straße bauen. Er muss hilflos zusehen, wie Menschen aus den Fenstern in die Sprungtücher der Westfeuerwehr springen.
Diese Bilder gehen um die Welt und sind bis heute Symbol für die Teilung Berlins. Hartmut Richter ist von heute auf morgen in Ostberlin eingemauert, Teile seiner Familie leben in Westdeutschland. In der Schule lernt er, warum der antifaschistische Schutzwall die DDR vor Aggressoren schützen musste. Aber seinen Traum, frei zu sein und in den Westen zu fliehen gibt er nicht auf.
Als 18-Jähriger schwimmt er in einer lebensgefährlichen Aktion durch den Teltow-Kanal und erreicht West-Berlin. 1973 will er seine Schwester in den Westen holen, wird gefasst, zu 15 Jahren Haft verurteilt und in Hohenschönhausen und Bautzen II (Richter sagt "Mielkes Wohnzimmer") gefangen und gefoltert. Er sei dort subtil kaputt gemacht worden, erzählt er. Richter ist einer von 34.000 Inhaftierten, die von der Bundesregierung freigekauft werden, nach 6 Jahren Haft.
Bis heute hat Hartmut Richter eine enge Verbindung zur Mauer. Er führt Besuchergruppen, darunter viele Schülergruppen, durch die Gedenkstätte in der Bernauer Straße, durch Hohenschönhausen und das alte Ostberlin. Wenn er Touristen mit DDR Flagge durch Berlin laufen oder Touristenführer im NVA Kostüm sieht, tue ihm das weh. Er sagt, er versucht dann ironisch zu sein, aber das gelinge nicht. Bei Schülern will er ein Bewusstsein für die DDR Diktatur und das Unrecht schaffen
Letzte Änderung am: 14.07.2011, 11.44 Uhr