Sendung vom Montag, 1.6.2009 | 17.05 Uhr | SWR2
im Gespräch mit Marie-Luise Sulzer-Lederer
Lautstarke Forderungen nach materieller Entschädigung vertriebener Sudetendeutscher sind seine Sache nicht. Ebenso unverständlich ist ihm aber auch die Geringschätzung, die Vertriebene hierzulande nach wie vor erfahren. Peter Becher, Jahrgang 1952, promovierter Germanist, ist Geschäftsführer des Adalbert-Stifter-Vereins. Böhmen und Mähren, das heutige Tschechien also, ein Raum, in dem tschechische, deutsche und jüdische Kultur über Jahrhunderte hinweg sich gegenseitig beeinflusst hat – dieses Erbe zu pflegen, ist Ziel des Vereins. Die gemeinsame Geschichte soll die Aussöhnung zwischen (Sudeten)Deutschen und Tschechen erleichtern. Das Leiden, das Nazi-Deutschland den Tschechen angetan hat, nicht zu verdrängen; sich zur eigenen (Mit)Schuld zu bekennen – mit dieser Forderung hat sich Peter Becher bei den organisierten Sudetendeutschen keine Freunde gemacht. In Widerspruch geriet er auch zu seinem Vater Walter Becher, der im westböhmischen Karlsbad geboren wurde und Vorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft war. In Tschechien dagegen ist Peter Becher ein geachteter Gesprächspartner: Dort war er das erste deutsche PEN-Mitglied und bereits im Mai 1989, also noch vor der „Samtenen Revolution“, war er der erste Vertreter der Sudetendeutschen, der vom tschechoslowakischen Außenminister empfangen wurde.
Letzte Änderung am: 15.04.2009, 14.22 Uhr