Sendung vom Samstag, 20.10.2007 | 17.05 Uhr | SWR2
im Gespräch mit Uwe Kossack
Eine Zeitlang hielt man Martin Mosebach für ein extravagantes Exemplar der ausgestorben geglaubten Gattung des Reaktionärs – mit einem Faible für adlige Manieren, englische Saccos und die katholische Liturgie in lateinischer Sprache. Auch seine voluminöse bilderreiche Prosa, geschult an den Vorbildern Thomas Mann, Robert Musil und Heimito von Doderer, hat ihm den Verdacht einer gewissen Gestrigkeit eingebracht. Gar nicht falsch. Denn Martin Mosebach ist tatsächlich ein wortmächtiger Verteidiger von Tugenden und Haltungen, die bisweilen antiquiert anmuten – wie Höflichkeit, Formsinn, Sachlichkeit und Eleganz. Gegen deren Verlust schreibt der Autor in Romanen, Erzählungen, Gedichten und Essays an. Zu schreiben begonnen hat er als Jura-Student – zur Unterhaltung der Kommilitonen, wie er sagt. Bis Golo Mann sein Talent erkannte und ihm 1980 zum Förderpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung verhalf. Seitdem ist Martin Mosebach Schriftsteller und lebt in Frankfurt. Dass er überdies ein radikaler Katholik ist, hat er in seinem Essayband „Häresie der Formlosigkeit“ publikumswirksam erklärt. Für sein literarisches Werk wird er mit dem diesjährigen Büchner-Preis geehrt.
Buchtipp:
Martin Mosebach: Der Mond und das Mädchen
Hanser Verlag 2007
ISBN: 978-3446209169
Preis: 17,90 Euro
Letzte Änderung am: 11.10.2007, 10.56 Uhr