SENDETERMIN Sa, 4.8.2007 | 17.05 Uhr

SENDETERMIN Sa, 4.8.2007 | 17.05 Uhr

SWR2 Zeitgenossen

Jochen Noth, Management-Berater und ehemaliger Maoist

im Gespräch mit Dietrich Brants

Er hat eine „kapitale Karriere“ gemacht, schrieb der „Tagesspiegel“: vom deutschen Maoisten, der die klassenlose Gesellschaft erkämpfen wollte, zum Management-Berater für deutsche Unternehmen, die in Chinas Turbokapitalismus investieren wollen. In den 60er Jahren war er Mitglied des SDS, hat öffentlich Geldscheine verbrannt und in einem Experimentalfilm den Kapitalisten auf den Teppich geschissen. In den 70er Jahren saß er im ZK des „Kommunistischen Bundes Westdeutschlands“, deshalb auch im Gefängnis, und fiel unter den Radikalen-Erlass, weil er „härter und konsequenter als andere sein wollte im Kampf gegen den Imperialismus“, wie der „Stern“ damals über ihn schrieb. In den 80er Jahren lebte Jochen Noth als Exilant im kommunistischen China. Heute tritt er im Dreiteiler auf und berät deutsche Firmen, die den chinesischen Tiger reiten – als leibhaftige Erklärungshilfe der Kommunismus AG. Dass in seinen Statements gleichzeitig der frühere Genosse und dessen heutige Kompetenz, insgesamt die Dialektik seiner Biografie zu hören ist, scheint für ihn als Geschäftsführer des „Asien-Pazifik-Instituts“ von Vorteil zu sein – zum Beispiel wenn er bei einer China-Tagung der „Bundeszentrale für Politische Bildung“ äußert: „Das Problem der Partei ist, dass sie ideologisch leer ist und nur noch den Nationalismus hat. Sie versucht dies durch ein technokratisches Programm der Modernisierung zu ersetzen – ein im Grunde von allen klassenkämpferischen, von allen sozialen Inhalten entleertes, reines Fortschritt-Programm.“ Was früher Agitation war, ist zur nüchternen Feststellung geworden: „Die Stärke der kommunistischen Partei ist, dass es keine Alternative gibt.“

Stand: 24.06.2007, 03.40 Uhr

aus der Sendung vom

Sa, 4.8.2007 | 17.05 Uhr

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Samstags 17.05 bis 17.50 Uhr