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Welt am Draht: 20 Jahre WorldWideWeb und die ZukunftMulti-Kulti im WorldWideWeb

Ein Beitrag von Dirk Asendorpf

Jeder, der schon mal eine längere Zeit von zu Hause weg war, der wird das bestätigen können: Ein ganz großer Vorteil des WWW ist, dass es dabei hilft, Entfernungen zu überbrücken. Es spielt kaum noch eine Rolle, wo man gerade ist, man kann sich ins Netz seiner Firma einloggen, man kann mit anderen Menschen per Text, Ton und Bild kommunizieren. Und das WWW sorgt auch dafür, dass immer mehr Menschen, die weit weg von den Wirtschaftszentren leben, trotzdem Kontakte dorthin knüpfen können. Ein Bericht von Dirk Asendorpf.

Multi-Kulti im WorldWideWeb

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Dirk Asendorpf:
Ouasua Dun Ouasula stammt aus Uganda und studiert an der Universität Bremen. Wenn er im Rechenzentrum arbeitet, klickt er sich nebenbei gerne zu Radio Simba durch, den Sender aus seiner Heimatstadt Kampala.

Ouasula (Übersetzung):
Radio Simba kommt online aus Uganda, ich kann es also hier am Computer hören. Das ist so, so schön, das klingt gut. Wenn ich dann die ugandischen Musiker in meiner Muttersprache singen höre, ist das großartig. Man fühlt sich, als wär’ man zu Hause – leider ist man es nicht wirklich.

Dirk Asendorpf:
Für Angehörige kleiner und kleinster Kulturen ist das World Wide Web eine ideale Möglichkeit, Kontakt zur Heimat und damit zur eigenen Identität zu halten. Vor zehn Jahren war das Netz noch zu 80 Prozent englischsprachig, inzwischen kommunizieren
über 70 Prozent der 1,6 Milliarden Internet-Nutzer in anderen Sprachen. Von Chinesisch bis Batswana.

Dirk Asendorpf:
Das wird hier gesprochen, in Gaborone, der Hauptstadt von Botswana. David Chipeta ist der Manager eines kleinen Internetcafés. Keine staubige Hütte mit einem einzigen alten PC wie in manchem afrikanischen Kleinstädtchen, sondern ein klimatisierter Raum mit einem Dutzend schicker Flachbildschirme.

David Chipeta (Übersetzung):
Einige Leute sind ja Computer-Analphabeten. Wenn sie herkommen, dann versuche ich, ihnen mit der Maus zu helfen, wie man Grafik nutzt, die verschiedenen Bildschirmoberflächen, all diese Sachen. Ich sorge dafür, dass sie sich im Netz zurechtfinden. Ich mach das einfach so. Ich hab nie an einer Schule gelernt, wie man unterrichtet. Das ist meine Art, der Gemeinschaft zu helfen.

Dirk Asendorpf:
Und die Jugendlichen, die hier vor dem Bildschirm hängen, lernen schnell. Mit flinken Fingern surfen sie zu den Websites ihrer Popstars, chatten munter drauflos und suchen sich nebenbei die Informationen für das nächste Referat in der Schule zusammen.

Auch hier wird das Web als Informationsquelle genutzt, allerdings nicht zum Spaß, sondern für den Ernst des Lebens. Subbiah Arunachalam lehrt am Indian Institute of Technology und hat mit seinen Studenten zehn Dörfern im Bundesstaat Tamil Nadu
einen Zugang zum Netz verschafft.

Subbiah Arunachalam (Übersetzung):
Es gab Fälle, in denen Bauern, einige davon Analphabeten, von Händlern betrogen wurden. Wenn eine bestimmte Menge Reis zum Beispiel 100 Rupien wert ist, dann haben die Händler gesagt: Im Moment gibt es in der Stadt nur 80 Rupien dafür. Und die
Bauern im Dorf hatten keine Chance herauszufinden, ob das stimmt. Also hat man sie um 20 Rupien betrogen. Jetzt erfahren sie jeden Tag den aktuellen Ankaufspreis, den die Regierung festlegt. Wir erfragen ihn am Morgen und stellen ihn ins Netz. Seit die Dörfer darauf Zugriff haben, gibt es eine enorme Transparenz und die Bauern werden nicht mehr übers Ohr gehauen.

Dirk Asendorpf:
Gerade für arme und entlegene Regionen ist das World Wide Web ein Fenster zur Welt. Und eine Chance zur Teilnahme an der Weltwirtschaft.

Besonders deutlich wird das auf der Cebit, der weltgrößten Computermesse. Sie findet in Hannover statt, doch in der Münchner Halle werden Haxen und Bier im Dirndl serviert. Die 100.000 ausländischen Besucher bringen ihr Bild von Deutschland schon
mit und hier wird es befriedigt. Umgekehrt erfüllt auch mancher Aussteller aus der Dritten Welt unsere Klischeevorstellung.

Wir machen es einfach noch billiger als die Inder, sagt der Programmierer Sultan Khan aus Dhaka, Bangladesh. Im Auftrag europäischer Unternehmen erstellt er Software für Niedrigstlöhne. In Deutschland könnte er zwar sehr viel mehr verdienen, doch Khan bleibt lieber am Ganges.

Sultan Khan (Übersetzung):
Die Lebenshaltungskosten sind bei uns ja auch sehr niedrig, sagt er, da kommt man mit dem geringen Lohn gut hin. Und in der virtuellen Welt des World Wide Web liegt Dhaka heute genauso zentral wie Buenos Aires, Huston oder Hannover.

Letzte Änderung am: 18.06.2009, 14.25 Uhr