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Ein Beitrag von Sebastian Krämer
Immer mehr Studenten nutzen das Internet für Recherchezwecke. Wer das mit der Hilfe aus dem Internet aber gar zu wörtlich nimmt und vielleicht ganze Passagen aus anderen Hausarbeiten übernimmt, der wird unter Umständen sein blaues Wunder erleben: Denn auch die Dozenten nutzen Computer und Internet, auch zum Feststellen von Plagiaten. Ein Bericht von Sebastian Krämer.
Nicholas Zahnen:
Ich habe also hier über diese Seite Ephorus meine Arbeit hochgeladen und dann kam eine E-Mail zurück mit folgenden Dateien. Das ist einmal eine Zusammenfassung meiner Datei, welche Stellen sind plagiiert worden und welche nicht.
Sebastian Krämer:
Nicholas Zahnen, Referent für Lehrfragen an der Universität Konstanz, testet zur Zeit Software, die Plagiate aufspüren kann. Denn die Universität Konstanz sucht nach einer fakultätsübergreifenden Lösung, Plagiaten zuverlässig auf die Spur zu kommen. Zahnen lud vor einigen Wochen seine Abschlussarbeit auf den Server eines Software-Anbieters. Nun kam die Auswertung seiner Arbeit als E-Mail zurück - mit genauen Markierungen verdächtiger Textpassagen.
Nicholas Zahnen:
Und der Dozent kann aufgrund der Gegenüberstellung dann entscheiden, ob er das als Plagiat ansieht oder nicht.
Sebastian Krämer:
Die Software hatte eine im Internet veröffentlichte Zusammenfassung der Arbeit als mögliches Plagiat erkannt.
Zahnen:
Das ist natürlich der Abstrakt, die Zusammenfassung die im Netz steht. Offensichtlich habe ich beim Rest nicht plagiiert, wie ich sehe-- zum Glück (lacht).
Sebastian Krämer:
Dies sollte eigentlich der Regelfall bei wissenschaftlichen Arbeiten sein. Doch deutsche Universitätsprofessoren beklagen, dass zunehmend dreist abgeschrieben und kopiert wird – begünstigt durch die vielen zugänglichen Angebote im Internet.
So ergab eine soziologische Studie der Universität Leipzig: 90 Prozent aller Studenten würden bei Bedarf abkupfern. Eine weitere Untersuchung eines Bielefelders Soziologie-Professors kam zu dem Schluss, 30 Prozent aller studentischen Arbeiten schmückten sich mit fremden Federn.
An der Universität Konstanz beobachtet man die Entwicklung skeptisch. Die Universität ist ein gebranntes Kind: Vor einigen Jahren gab es zwei schwerwiegende Betrugsfälle bei Diplomarbeiten. Die Universität war damals machtlos, musste die Diplomanden nochmals zur Prüfung zulassen. Danach wurde aber die Prüfungsverordnung verschärft. Die Abschlussarbeiten müssen seitdem auch in digitaler Form – als Word-Datei - vorliegen:
Zahnen:
Die Position ist da ganz eindeutig: Wird da ein Plagiat entdeckt, dann gilt die Prüfung als nicht bestanden. Das kann in schwerwiegenden oder in Wiederholungsfällen zu Sanktionen führen, dass jemand von der Wiederholungsprüfung ausgeschlossen wird, was in diesem Fall das Ende eines Studiums für jemanden bedeutet.
Sebastian Krämer:
Aber Vorsicht: Ein Plagiat ist nicht nur eben „Kopieren und Einfügen“, „Copy and Paste“.Es kann auch ein Übersetzungsplagiat sein
Noch kreativer ist die Methode „schütteln und einfügen“ „shake and paste“: Hierbei werden verschiedene sinnverwandte Textabschnitte unterschiedlicher Quellen zusammengewürfelt: Einmal füllen, kräftig durchmischen und das Ergebnis übertragen.
Jürgen Kuri, stellvertretender Chefredakteur von der Computerzeitschrift c't warnt daher vor zu hohen Erwartungen gegenüber der Software.
Jürgen Kuri:
Was sich im Moment findet, sind wirklich reine Abschreiben, was eigentlich auch so relativ einfach zu entdecken ist. Wenn jemand die Idee von einem andern klaut, ist die Software völlig überfordert.
Es wird auch auf absehbare Zeit nur eine Unterstützung des Professors bleiben, der sich die Auswertung, die die Software macht, sehr genau anschauen muss, ob da denn ein Verdacht auf ein Plagiat vorliegt oder nicht.
Sebastian Krämer:
Es gibt zwei Arten von Plagiats-Findern: Lokal installierte Software, die Texte nach Schlüsselbegriffen analysiert und dann anschließend Suchmaschinen nach bestimmten Wortkombinationen abfragt. Die zu analysierende Arbeit bleibt lokal auf dem Rechner. Nachteil: Die Analyse braucht viel Zeit und blockiert den Rechner.
Bei einer zweiten Art von Plagiat-Findern wird die studentische Arbeit auf den Server des jeweiligen Software-Anbieters gespielt und dort geprüft:
Kuri:
Wenn Sie es wie bei „Turnitin“ über einen Server, der alle Arbeiten sammelt, machen, dann haben Sie alle Arbeiten, die schon eingereicht worden sind im Zugriff. Und können das sehr gezielt suchen.
Sebastian Krämer:
So verlockend einfach sich das darstellt, die serverbasierte Software ist jedoch in die Kritik geraten. Die Universität Hamburg hatte ihre Studenten aufgefordert, ihre Arbeiten durch „Turnitin“ überprüfen zu lassen. Sonst würden die Arbeiten nicht anerkannt. Protest bei den Studenten. Die Studenten würden pauschal als Plagiierer abgestempelt und zudem werde ihr Urheberrecht verletzt.
Kuri:
Wenn solche Dienste wie „Turnitin“ Pflicht werden, alle Studenten unter Generalverdacht gestellt, dass sie abschreiben. Und ist auch nicht im Sinne des Erfinders. Auf der anderen Seite sagen die Universitäten, ihre Juristen hätten gesagt, das ist kein Problem, das einzureichen bei so einem Dienst. Allerdings gehen diese Gutachten nur darauf ein, auf den konkreten Vorgang. Der Überprüfung einer Arbeit, ob sie ein Plagiat darstellt, die gehen gar nicht darauf ein, dass die Arbeit dann weiter gespeichert wird bei den Dienstleistern und auch in Zukunft benutzt wird, um andere Plagiate aufzudecken. Das ist das eigentliche Urheberrechtsproblem. Und ich glaube, da sind die Universitäten noch etwas blauäugig, dass sie das so einfach machen können, wie sie das im Moment tun.
Sebastian Krämer:
Im Kampf gegen Plagiate wird offenbar das Urheberrecht der Studenten zugunsten einer möglichen Verletzung des Urheberrechts anderer Autoren ausgehebelt. Die unveröffentlichte studentische Arbeit genießt innerhalb der Universität vorerst Schutz geistigen Eigentums. Ist eine Diplomarbeit außerhalb der Universität, kann keiner mehr nachvollziehen, was damit in der Datenbank des Dienstleisters geschieht. Der Industriespionage ist Tür und Tor geöffnet.
Kuri:
Das hängt natürlich von den einzelnen Arbeiten ab, wenn Studenten oder Doktoranden Arbeiten zusammen mit Firmen machen, die dann diese Ergebnisse auch wieder für ihre Produkte nutzen, dann hat das auch ein gewisses Interesse der Konkurrenz solcher Firmen. Wenn solche Daten irgendwo extern gespeichert werden, dann ist die Gefahr natürlich gegeben, dass die natürlich geklaut werden.“
Sebastian Krämer:
Die Universität Konstanz setzt ganz auf Aufklärung und Bewusstseinsbildung. Sie bietet Kurse zum wissenschaftlichen Arbeiten an. Bis die Universität sich endgültig für eine Anschaffung einer einheitlichen Software entschließt, werden die verschiedenen Plagiats-Finder in den verschiedenen Fachbereichen ausgiebig getestet, erklärt Nicholas Zahnen:
Zahnen:
Die Erfahrung wollen wird dann einholen und auf der Basis dann entscheiden, welches Programm gute Ergebnisse liefert und welches Programm aus unserer Sicht und aus Datenschutz-Sicht die Anforderungen erfüllt.“
Letzte Änderung am: 09.02.2007, 13.49 Uhr