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SWR2 Wissen Wälder retten, Geld kassieren?

Indonesien und der internationale Klimaschutz

Sendung vom Montag, 28.11.2011 | 8.30 Uhr | SWR2

Die Abholzung des Regenwaldes beschleunigt den Klimawandel. Damit Länder wie Indonesien einen Anreiz haben, ihre Wälder zu schützen, sollen sie von Industriestaaten Geld bekommen. Eine gute Idee-theoretisch. In der Praxis gibt es allerdings viele Schwierigkeiten.

Illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien)

"Klimasünder" Indonesien

Indonesien ist nicht nur das Land mit der drittgrößten Regenwaldfläche der Erde. Es ist nach den USA und China aber auch das Land mit dem dritthöchsten Ausstoß an Treibhausgasen. Der Unterschied zu den beiden Industrienationen besteht darin, dass die Emissionen in Indonesien nicht auf die Verbrennung fossiler Kraftstoffe zurückgehen, sondern auf die Vernichtung des Regenwaldes. Die Trockenmasse eines Baums besteht zu 50 Prozent aus Kohlenstoff – werden Wälder zerstört, gelangt er in Form von CO2 in die Atmosphäre. Nirgendwo wird derzeit mehr Regenwald vernichtet als in Indonesien. Besonders Problematisch ist die Abholzung der sogenannten Torfsumpfwälder in  Indonesien: Der Torfboden enthält noch mehr Kohlenstoff als Bäume und wenn dort gerodet wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Boden durch Feuer zerstört wird und das würde riesige Mengen an Kohlendioxid freisetzen.

  • Bäume unterschiedlicher Größe im Urwald auf Borneo
  • Regenwald steht in Flammen
  • Eine große Regenwaldfläche in Indonesien wird gerodet

Das Geschäft mit dem Palmöl

Die Palmölindustrie ist in Indonesien ständig auf der Suche nach neuen Anbauflächen. Auf den Regenwald wäre der Industriezweig nicht wirklich angewiesen. Aber: Durch die Rodung und den Erlös aus dem Holzverkauf kommt ein Teil der Investitionskosten gleich wieder rein.

Blick über riesige Palmölplantage

Palmöl ist für Indonesien ein lukratives Geschäft

Dabei bietet der Regenwald viele Produkte, für die kein Baum gefällt werden muss. So lässt sich aus manchen Bäumen Latex oder Kaugummimasse gewinnen. Andere enthalten medizinische Substanzen. Auch Rattan ist ein Waldprodukt, das sich vermarkten lässt.

Das Versprechen des Präsidenten

Der indonesische Staatspräsident Yudhoyono  hat verfügt, dass der Staat zwei Jahre lang keine Lizenzen für Rodungen im primären Regenwald und in den Torfwäldern vergeben wird. Doch dieses Moratorium beschränkt sich auf den naturbelassenen Regenwald. Es verbietet nicht, dass auf Flächen, auf denen bereits ein Holzeinschlag stattgefunden hat, gerodet wird.

Mit Geld den Regenwald retten

Seit dem Klimagipfel vor vier Jahren auf Bali ist klar: Länder wie Indonesien werden ihre Wälder nur schützen, wenn sie dafür von Industrienationen Entschädigungen bekommen. „Reduction of Emissions from Deforestation and Degradation“ (REDD), heißt der bisher noch theoretische Ansatz, der auf dem bevorstehenden Klimagipfel in Südafrika weiter diskutiert werden soll.

Um die Treibhausgasemissionen aus der Entwaldung zu verringern, sollen tropische Länder honoriert werden, wenn sie auf Abholzung verzichten. So hat zum Beispiel Norwegen Indonesien eine knappe Milliarde Euro für den Waldschutz zur Verfügung gestellt. Doch Wissenschaftler sagen, dass eine solche Summe noch lange nicht ausreicht, um den indonesischen Regenwald und damit auch das Klima zu retten. Die Gewinne, die man erzielen könne, wenn man Regenwaldflächen in Plantagen umwandelt, seien immer noch höher. 

Waldschutz-Projekte in Indonesien
Ob bezahlter Waldschutz funktionieren kann, wird derzeit in mehr als 40 Projekten im indonesischen Regenwald ausprobiert. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) betreut zum Beispiel auf einem Areal von 24.000 Hektar ein Waldschutz-Projekt, das den Bewohnern dort zeigen soll, wie Waldbewirtschaftung möglich ist, ohne dabei den Wald zu zerstören. Ein anderes Projekt ist die Baumschule in einem kleinen Dorf: Auf degradierten Waldflächen sollen wieder neue Bäume gepflanzt werden.

Für jeden Setzling erhält das Dorf eine Vergütung von umgerechnet 5ct. Eines der größten Renaturierungsprogramme Südostasiens mit einer Fläche von etwa 100.000 Hektar, ist das Harapan-Rainforest-Projekt im Landesinnern Sumatras. Hier wurde früher viel Holz geschlagen. 60 Prozent des Baumbestandes sind bereits verloren gegangen. Die übrigen 40 Prozent werden als Genpool genutzt, um wieder junge Bäume heranzuziehen. Mit 8 Millionen Euro unterstützt  das Bundesumweltministerium das Projekt. Ziel ist, dass die Menschen dort den Wald sinnvoll bewirtschaften und irgendwann von finanzieller Unterstützung unabhängig werden.

Autor: Gábor Paál, Internetfassung: Helga Schreieck

Letzte Änderung am: 16.11.2011, 11.14 Uhr

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