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Lachforschung Humor - heilsame Provokation

Lachen und Humor hat viele positive Effekte für die psychische und physische Gesundheit des Menschen. Daher liegt es nahe, das Lachen auch in der Therapie einzusetzen. Aber darf man in der Psychotherapie lachen? Lange Zeit hatte Humor in der Therapie nichts verloren. Doch das hat sich jetzt geändert.

Lachen

Lachen ist ansteckend

An Klinikclowns auf Kinderstationen und in Altenheimen hat man sich schon gewöhnt. Die Clowns sollen ablenken, erheitern, in Phantasiewelten entführen und den Klinikalltag erleichtern. Aber Humor als Ansatz einer ernsthaften Psychotherapie oder als Element der Gruppentherapie in psychiatrischen Einrichtungen ist nach wie vor eine Ausnahme.

Allerdings zeigen langsam immer mehr Therapeuten Interesse an diesem Ansatz. Denn Lachen und Lächeln haben neben psychischen Effekten auch soziale Funktionen. Sie dienen der gegenseitigen ‚Fellpflege’. Mit Lachen, Witzchen und Humor beeinflussen wir unser Gegenüber. Lachen ist ansteckend und sorgt für eine gute Stimmung.


Lachen gegen Schmerzen und Entzündungen

Humor hat erstaunliche körperliche Effekte. Dies hat vor 25 Jahren ein amerikanischer Journalist entdeckt, dem eine Krankheit starke Schmerzen bereitete. Zur Ablenkung hat dieser Mann Filme mit Buster Keaton, Charlie Chaplin oder Dick und Doof angesehen. Dieser Journalist litt unter einer arthritischen Infektionskrankheit, bei der das Knochengewebe abgebaut wird. Die Krankheit ist unheilbar und sehr schmerzhaft.

Er war quasi von den Ärzten schon aufgegeben worden und dann fing er an, sich in seinem Krankenzimmer diese Filme anzuschauen und so laut zu lachen, dass er für diese Klinik nicht mehr tragbar war. Und in Amerika ist es möglich, dass man dann einfach in ein Hotel geht und dort die Behandlung weiterführt. Da kam der Arzt eben ambulant und dann stellten die Ärzte fest, dass die Werte dramatisch nach unten gegangen sind und das war dann der Anfang dafür, sich Gedanken zu machen, was ist da im Körper passiert? Es sah so aus, als ob Buster Keaton und Dick und Doof die Entzündungsparameter im Blut des Patienten gesenkt hätten. In Stanford wurde daraufhin das erste Gelotologie Institut gegründet, das sich der wissenschaftlichen Erforschung des Lachens widmet.


Dort untersuchte man Menschen, die Schmerzprobleme hatten oder entzündliche Erkrankungen. Den Versuchspersonen wurde vor dem Lachen das Blut abgenommen; und man hat geschaut: wie sind die Werte? Und dann mussten sie 20-30 Minuten lachen, indem sie sich zum Beispiel lustige Filme angeschaut haben. Dann wurde das Blut nochmals abgenommen und mit den vorherigen Werten verglichen. Und es gibt tatsächlich objektivierbare Befunde dafür, dass sich während dieser Zeit etwas getan hat und zwar im positiven Sinne.

Menschen mit Humor sind widerstandsfähiger

Humor schützt nicht vor den Widrigkeiten des Lebens. Aber Humor hilft, besser hindurch zu kommen. Das belegt auch eine Schweizer Studie. Diese Forscher haben untersucht, ob humorvolle Menschen seltener unter psychosomatischen Beschwerden leiden. Dabei hat sich gezeigt, dass Menschen mit mehr Humor weniger psychosomatische Beschwerden entwickeln und weniger depressive Symptome entwickeln in schwierigen Lebenssituationen. Die kommen genauso häufig in schwierige Lebenssituationen, also zum Beispiel Trennungssituationen, Verlust des Arbeitsplatzes oder so, aber dann können sie damit etwas besser umgehen.

Wer selbst dann, wenn er gestresst oder sehr krank ist oder ihm das Leben wieder einmal böse mitgespielt hat, noch lachen kann, der hat selbststärkenden Humor. Gerade diese Art von Humor kann eine positive Bewältigungsstrategie sein, also dabei helfen, mit sehr schwierigen und belastenden Situationen umzugehen - auch das zeigen Studien. Die Tübinger Neurologin und Psychotherapeutin Barbara Wild hat untersucht, ob die Fähigkeit zu Humor und die innere psychische Widerstandskraft gegen Schicksalsschläge, die so genannte Resilienz zusammenhängen.

Barbara Wild: "Ich würde denken, Humor hilft, resilient zu sein. Also resilient heißt ja, man kann bei schwierigen Situationen besser durchkommen, die überstehen, ohne jetzt seelische Schäden davonzutragen. Menschen, die eben Schwierigkeiten auch mit Humor nehmen können, die es schaffen, auch mal aus der Situation sich zu distanzieren, so einen Schritt zurückzutreten, die kommen damit besser zurecht, da unterstützt Humor."

Gezielt lachen lernen

Immer mehr Menschen treffen sich auch in so genannten Lachyoga-Gruppen. Wissenschaftler im Umfeld von Madan Kataria, dem indischen Arzt, der Lachyoga entwickelt hat, haben die Wirkung des Lachyogas erforscht. An der "Indian Laughter Studie" - der indischen Lachstudie - nahmen gesunde Angestellte eines Computerunternehmens teil. Sie wurden per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Experimentalgruppe ging an sieben Abenden zum Lachyoga, die Kontrollgruppe nicht.

Aus den Ergebnissen ging hervor, dass Lachyoga tatsächlich signifikante Auswirkungen auf die untersuchten Stressparameter hatte. Man hat zum Beispiel festgestellt, dass der Blutdruck reduziert wurde und der morgendliche Cortisolspiegel abgesenkt wurde. Mit anderen Worten: man kann in objektiver Weise nachweisen, dass Menschen sich wohler fühlen und weniger Stress haben, wenn Sie vorher gelacht haben.

Letzte Änderung am: 25.01.2012, 14.25 Uhr

Lachforschung

Im Programm

"SWR2 Wissen" Lachen auf der Couch

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Wiederholung: samstags von 21:03 bis 21.30 Uhr und sonntags von 14.32 bis 14.58 Uhr in SWR Info.

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