Was Frauen wirklich hilft
Sendung vom Mittwoch, 30.11.2011 | 8.30 Uhr | SWR2
Mehr als acht Millionen Frauen in Deutschland stecken gerade in den Wechseljahren. Nur jede fünfte erlebt das als leidvolle Krisenzeit mit peinlichen Hitzewallungen, Schlafstörungen und Gefühlsschwankungen. Trotzdem haben Ärzte jahrzehntelang großzügig Hormonpillen verschrieben. Nun haben neue Studien den Verdacht bestätigt, dass sie das Risiko für Krebs und Herzinfarkt erhöhen. Viele Frauen sind deshalb sehr verunsichert: Kurse für Hormon-Yoga boomen, pflanzliche Mittel haben Hochkonjunktur.

Der Östrogenspiegel sinkt
Östrogene sind nicht nur die wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone, sie stärken auch die Knochen und beeinflussen das Herz-Kreislauf-System. In den Wechseljahren lässt vor allem die Produktion von Östrogenen nach. Frauen nach den Wechseljahren erkranken deshalb deutlich häufiger an Osteoporose und bekommen mehr Infarkte und Schlaganfälle als jüngere Frauen.
Während Männer noch in hohem Alter Kinder zeugen können, ist die Zeit der Fruchtbarkeit bei den Frauen begrenzt. Sie endet mit dem Ausbleiben der Monatsblutung, der sogenannten Menopause. Die Phase der hormonellen Umstellung bis zu diesem Moment bezeichnet man als Wechseljahre. Die Menstruation endet, wenn der Vorrat an Eizellen im Körper erschöpft ist. Bei den meisten Frauen passiert das Anfang oder Mitte fünfzig.
Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen
Viele Frauen in den Wechseljahren (Klimakterium) berichten von teilweise recht heftigen Hitzewallungen und Schweißausbrüchen, vor allem in der Nacht. Oft werden auch Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit, Gewichtszunahme und Schlafstörungen genannt. Dafür den sinkenden Hormonspiegel verantwortlich zu machen, ist für die Hamburger Ärztin und Gesundheitswissenschaftlerin Professor Ingrid Mühlhausen nicht gerechtfertigt: Diese Symptome treten zwar in den Wechseljahren gehäuft auf, hormonelle Ursachen dafür seien aber nicht belegt.

Stimmungsschwankungen als Begleiterscheinung der WechseljahreHormonpillen in der Kritik
Wenn ein Rückgang weiblicher Hormone die Gesundheit gefährdet, müssten sich Frauen doch mit Hormonpillen schützen können – das haben Ärzte und Patientinnen jahrzehntelang geglaubt. 2002 belegt eine Studie der Women‘s Health Initiative (WHI) erstmals die Risiken von Hormonpräparaten in den Wechseljahren.
Vor allem wegen der hohen Zahl an Schlaganfällen musste der Großversuch an gesunden Frauen abgebrochen werden. Wenig später zeigten Daten von mehr als einer Million Frauen, dass die Hormonersatztherapie auch die Brustkrebsgefahr deutlich ansteigen ließ. Inzwischen werden nur noch ein Drittel so viele Hormonpräparate als vor der Jahrtausendwende verschrieben.
"Marie-Studie"
Das Risiko der Hormonpräparate ist umso höher, je länger eine Frau sie schluckt. Das hat die sogenannte "Marie-Studie" unter Federführung des Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg ergeben. Nach diesen Daten sind Hormonpräparate für jeden fünften Fall von Brustkrebs nach den Wechseljahren verantwortlich. Besonders riskant sind dabei offensichtlich Medikamente, bei denen Östrogen und Gestagen miteinander kombiniert werden.
Natürliche Alternativen-nicht immer eine Alternative
Pflanzliche Mittel statt jahrelange Hormontherapie- dafür entscheiden sich immer mehr Frauen. Doch auch natürliche Präparate sind nicht ganz ungefährlich: So kann es bei längerer Einnahme von Traubensilberkerze-Zubereitungen zu Leberschäden kommen. Auch die Einnahme von hochkonzentrierten Pflanzenextrakten, wie Soja und Rotklee ist nicht unumstritten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt zum Beispiel vor Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Anteil sogenannter Isoflavone. Diese wirken im Körper ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen. Ab und an Tofu oder Sojasprossen zu essen-dagegen spricht allerdings nichts.
Bewegung tut gut
Körperliche Bewegung ist für Frauen in den Wechseljahren empfehlenswert. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Marie-Studie des Heidelberger Krebsforschungszentrums: rund 13 Prozent der Brusttumore nach den Wechseljahren führen die Wissenschaftler um Karen Steindorf auf mangelnde körperliche Aktivität zurück. Außerdem fühlen sich sportliche Frauen in der Regel wohler in ihrem Körper; sie schlafen besser und sind insgesamt belastbarer. Das macht es ihnen auch leichter, unangenehme Symptome der Wechseljahre zu verkraften. Zudem kann regelmäßiger Sport in Kombination mit kalziumreicher Ernährung auch vor Osteoporose schützen. Viele Frauen setzen in den Wechseljahren auch verstärkt auf Yoga.
Wechseljahre und Psyche
Wie eng Körper und Psyche miteinander verwoben sind, lässt sich bei Frauen im Klimakterium gut beobachten, sagt die Kölner Gynäkologin Maria Beckermann. Es ist ihrer Meinung nach eine Frage der Einstellung zu den Wechseljahren, ob Frauen darunter leiden oder nicht. Und im Gegensatz zu Frauen anderer Nationalitäten schämen sich viele deutsche Frauen fürs Altwerden und damit auch für die Symptome ihrer Wechseljahre. Hilfestellungen bei Problemen in den Wechseljahren gibt es in Deutschland nicht nur bei Gynäkologen, sondern auch bei speziell ausgebildeten Wechseljahresberaterinnen.
Ulrike Till; Internetfassung: Helga Schreieck
Letzte Änderung am: 29.11.2011, 16.11 Uhr