Wunderfaser mit tödlichen Spätfolgen
Sendung vom Mittwoch, 2.11.2011 | 8.30 Uhr | SWR2
Wegen seiner hervorragenden physikalischen Eigenschaften wurde Asbest im vergangenen Jahrhundert als Baustoff gefeiert. Zunächst wusste man noch nicht, dass das Mineral unheilbare Formen von Krebs und die Lungenkrankheit Asbestose hervorrufen kann – allerdings Jahrzehnte später.
Von Anna Florenske
Asbest ist ein Silikat-Mineral, das naturgemäß in der Erdkruste steckt. Bereits im Altertum entdeckten die Menschen das faserförmige Mineral. Im großen Umfang wurde Asbest aber erst im vergangenen Jahrhundert verwendet. Und zwar in Bau und Industrie bei den westlichen Industrienationen. Der Grund: Asbest besticht durch vielseitige Eigenschaften. Es ist preisgünstig, leicht zu verweben, reißfest, feuerfest sogar bei sehr großer Hitze und sehr beständig, auch gegenüber chemisch aggressiven Substanzen.
Obwohl es schon sehr früh Erkenntnisse über die Gefahren des Minerals gab, hantierten die Arbeiter Jahrzehnte lang ungeschützt und ahnungslos mit dem Asbest. Die Gefahr: Asbest bemerkt man nicht. Das Material sieht harmlos aus. Es riecht nicht. Es wird nicht als chemische Gefahr wahrgenommen. Und ist doch eine der größten chemischen Gefährdungen, die wir überhaupt kennen. Die WHO hat kürzlich geschätzt, dass weltweit gesehen jedes Jahr mehrere 10.000 Tote auf Asbest zurück zu führen sind. Doch die Dunkelziffer geht eher von 100.000 und mehr Toten im Jahr aus.
Bedrohlich wird das Mineral erst, wenn es bearbeitet wird. Klammheimlich schleicht sich dann Asbest über Nase und Mund in die Lunge, ins Rippenfell, den Bauch und in den Rücken. Viele Jahre spüren die Betroffenen davon nichts. Bricht die Krankheit aus, kommt es zunächst zu einer Entzündung. Dann gehen viele Zellen kaputt und schließlich erkranken die Patienten an Asbestose und eventuell auch an Krebs. Das Schlimme: Es gibt letztendlich keine Behandlung, denn die Asbest-Ablagerungen können nicht mehr aus dem Körper entfernt werden.
Die Lehren aus der Asbest-Katastrophe: In der EU regeln inzwischen etliche Schutzvorschriften den Umgang mit dem Gefahrstoff. Wenn Menschen hier mit Asbest umgehen müssen, dann nur, um den riskanten Baustoff aus alten Gebäuden zu entfernen. Zwar ist die weltweite Asbestproduktion seit den 1980er Jahren um die Hälfte zurück gegangen. Aber das Geschäft mit dem billigen Baustoff floriert dennoch in etlichen Ländern. Versuche der Weltgesundheitsorganisation, den Gefahrstoff weltweit zu verbieten, sind bislang gescheitert.
Letzte Änderung am: 03.11.2011, 15.39 Uhr