Lautréamont und die literarische Apokalypse
Sendung vom Donnerstag, 4.2.2010 | 8.30 Uhr | SWR2
Von Stefan Fuchs
Die "Gesänge des Maldoror" aus der Feder eines gewissen Comte de Lautréamont zählen zu den verstörendsten Texten der abendländischen Literatur. Radikal führt der Dichter den Menschen ihre eigene Schlechtigkeit vor Augen; sein Held Maldoror erscheint wie eine Inkarnation des Bösen. Das Buch erschien 1874 in Paris – und wäre um Haaresbreite in der Bücherflut des 19. Jahrhunderts ertrunken. Doch mitten im Gemetzel des Ersten Weltkriegs stoßen die Surrealisten um Philippe Soupault und André Breton zufällig auf eines der wenigen Exemplare. Die verstörende Wirkung der apokalyptischen "Gesänge" muss die literarische Moderne faszinieren. Eine fieberhafte Suche beginnt. Wer war dieser Isidore Ducasse, der sich das Pseudonym des Grafen von Lautréamont zulegte? Die Spur führt nach Südamerika und ins Paris des Seconde Empire, als der blutjunge Kapitalismus zum ersten Mal seine Fesseln ablegte und ein rauschendes Fest inszenierte.
Letzte Änderung am: 27.12.2009, 04.28 Uhr