Porträt des kalifornischen Esalen-Instituts
Sendung vom Montag, 10.7.2006 | 8.30 Uhr | SWR2
Von Udo Zindel

Es begann mit hochfliegenden Träumen, an der wilden Küste von Big Sur in Mittelkalifornien. Zwei junge Psychologen wollten hier Anfang der 60er Jahre ein Zentrum schaffen für all die aufregend neuen Strömungen in Psychologie, Philosophie und Religion, die die angepasste, moralinsaure und körperfeindliche Kultur der 50er Jahre aufs Korn nahmen.
In wenigen Jahren wuchs Esalen zum bekanntesten alternativen Zentrum Nordamerikas heran, zu einem Ort, der wie wohl kein anderer die Entwicklung der modernen Körper- und Psychotherapie beeinflusst hat. Konservative Kritiker nannten es einen "heidnischen Tempel", einen "esoterischen Supermarkt" oder gar ein Sündenbabel, wo - neben radikalen Wegen der Gruppentherapie - auch Nacktheit, freie Liebe und zügelloser Drogenkonsum gepflegt wurden. Mittlerweile ist Esalen in die Jahre gekommen, und zahlreiche Therapien, die hier ausprobiert wurden, sind Teil des psychologischen Mainstream geworden. Das Institut muss sich gegen zunehmende Konkurrenz behaupten, und viele Mitarbeiter sorgen sich, dass dieser Rückzugsort für Menschen in Lebenskrisen zu einem Wellness-Bad für Reiche mutiert.
Letzte Änderung am: 27.10.2006, 00.41 Uhr