Wirklichkeitsverlust - Warum die Wirtschaftswissenschaft die Krise nicht vorhersah. Von Stefan Fuchs. Am Massachusetts Institute of Technology feierten Wirtschaftswissenschaftler noch 2008 die Fortschritte ihrer Disziplin - vor allem die von ihnen entwickelten Werkzeuge, um Konjunktureinbrüche zu verhindern. Auch an der University of Chicago, Zentrum der weltweit dominierenden neoklassischen Schule, glaubte man, dass die makroökonomische Forschung die Wirtschaftspolitik entscheidend verbessert. Als dann die größte Wirtschaftskrise seit 1928 mit einem geschätzten Schaden von 19 Billionen Dollar über die Welt hereinbrach, wurde die moderne Volkswirtschaftslehre mit ihren mathematischen Modellen und ihrem unbeirrbaren Glauben an die Rationalität der Menschen zum ersten Opfer. Kaum ein Experte hatte die Krise voraus gesehen - wie war das möglich?