Der Trickster-Mythos
Sendung vom Donnerstag, 9.7.2009 | 8.30 Uhr | SWR2
Von Rolf Beyer
Er ist weder gut noch böse – und trotzdem bei den Menschen beliebt. Er betrügt andere und wird betrogen; moralische und soziale Werte akzeptiert er nicht – aber er gilt als schöpferisch und kreativ. Die Figur des „Narren“, „Tölpels“ oder „göttlichen Schelms“ hat es zu allen Zeiten gegeben, bei allen Völkern, in allen Kulturen. Seitdem Kulturwissenschaft und Analytische Psychologie sie als „universelle Gestalt“ erkannt haben, nennt man sie einfach „Trickster“. Sie taucht in derber und obszöner Ausprägung in den Geschichten alter Stammesgesellschaften auf; in der griechischen Mythologie zeigt sie sich spielerisch, listig und grausam. Literarische Nachfahren des „Trickster“ sind Don Quichotte, Felix Krull oder Oskar Mazerath. Und der französische Autor André Malraux brachte es mit seinem eigenen tricksterhaften Leben sogar zu Ruhm und Ansehen. Bis heute bringt uns der zwielichtige „Trickster“ zum Lachen, und immer wieder wird er als schöpferischer Antiheld verehrt. Hängt es vielleicht damit zusammen, dass in jedem von uns ein kleiner „Trickster“ verborgen ist?
Letzte Änderung am: 31.05.2009, 03.32 Uhr