Metallgewinnung aus dem Müll
Sendung vom Mittwoch, 29.2. | 8.30 Uhr | SWR2
20 Kilogramm Elektroschrott produziert jeder Bundesbürger pro Jahr. In Handys, Computern und Fernsehgeräten stecken wertvolle Metalle wie Gold, Silber, Kupfer, Indium und Gallium. Viele dieser Rohstoffe werden weltweit knapp, die Preise steigen. Deshalb soll Elektroschrott endlich planmäßig recycelt werden. Zum Beispiel in eigenen "Wertstofftonnen". Außerdem entwickeln Wissenschaftler differenzierte Methoden, mit denen sich auch sehr geringe Metallanteile im Elektroschrott zurückgewinnen lassen. Und sie untersuchen alte Mülldeponien auf Metalle und erfassen, welche Ressourcen in abrissreifen Bauten unserer Städte stecken.

Elektroschrott
Etwa zwei Millionen Tonnen Elektroschrott fallen pro Jahr in Deutschland an. Doch recycelt wird davon nur die Hälfte. Die andere Hälfte horten Verbraucher in Schubladen und Kellern, auf Hängeböden - oder sie werfen ausrangierte Geräte in den Hausmüll.
Aktuellen Berechnungen zufolge besitzen die Deutschen 83 Millionen ausrangierte Handys. Damit übersteigt die Zahl der nicht mehr benutzten Mobiltelefone in Deutschland mittlerweile die der Einwohner. Und allein mit diesen Handys horten die Verbraucher einen Schatz, der insgesamt aus etwa 1,6 Tonnen Gold, 16 Tonnen Silber und 66 Tonnen Kupfer besteht. Dass die Nutzer mittlerweile Berge von Handys besitzen, lässt sich zum großen Teil auf das Geschäftsgebaren von Händlern und Mobilfunkanbietern zurückführen. Mit einem Mobilfunkvertrag bekommt man meist alle zwei Jahre ein neues Handy geschenkt oder muss nur sehr wenig dazuzahlen.
Angesichts knapper werdender Metallressourcen suchen nun Recyclingforscher - unter anderem im Auftrag des Bundesumweltministeriums - nach Wegen, Rohstoffreserven aus alten Handys und anderem Elektroschrott nutzbar zu machen. Einer dieser Versuche bestand darin, in den Städten Wertstofftonnen neben den üblichen Müllbehältern aufzustellen. Ziel war, mehr Konsumenten zu motivieren, kleinere Altgeräte vom Handy bis zur elektrischen Zahnbürste zum Recyceln zu geben. Die Aufstellung der Wertstofftonnen hat sich gelohnt. Deshalb wird die Tonne nun bundesweit eingeführt. Fachleute erwarten vor allem aus den dichtbesiedelten Ballungszentren einen Rücklauf riesiger Mengen von Elektroschrott. Unter der griffigen Bezeichnung „Urban Mining“ - also städtischer Bergbau - fassen sie sämtliche Bemühungen zusammen, den metallhaltigen Müll der Stadtbewohner zu sammeln und zu recyceln.
Auf Recyclinghöfen beginnt die Metamorphose ausrangierter Elektrogeräte, deren wertvolle Rohstoffe zurückgewonnen werden. Zunächst geht es per LKW zu einem Zerlegebetrieb. Dort werden die angelieferten Altgeräte abgekippt und sortiert. Eine mannsgroße Krankralle fischt zuerst sämtliche Monitore und Fernseher aus dem wilden Durcheinander, die gehen an eine separate Zerlege-Einrichtung. Dort werden das Glas der Bildschirme und der Kunststoff der Gehäuse recycelt.
In einer großen Fabrikhalle sortieren und zerlegen Arbeiter sämtliche Geräte von der elektrischen Zahnbürste bis zum Staubsauger. Es ist laut und staubig. Hinter langen Tischen sitzen mehrere Arbeiterinnen und öffnen batteriebetriebene Apparate. Akkuschrauber jaulen, Plastik zerbricht. Die Frauen ziehen Akkus und Batterien heraus. Sie enthalten giftige Stoffe und werden als Sondermüll entsorgt. Ein paar Schritte weiter schneiden mehrere Männer von netzbetriebenen Geräten die Kabel ab. Aus ihnen wird das Kupfer zurück gewonnen. Auch Tastatur und Festplatte des alten Computers finden sich hier wieder. Mit schnellen Griffen kappt ein Arbeiter die Kabel und wirft die Tastatur in einen Kasten, in dem Einzelteile für das Kunststoffrecycling gesammelt werden. Die Festplatte schickt er auf einem Förderband weiter.
Recyclingbetriebe müssen nachrüsten
In der nächsten Halle werden Festplatten und Computertower ausgeschlachtet. Arbeiter schrauben sie auf, rupfen die Leiterplatten heraus und werfen sie in eine große Gitterbox. Sie sind das Wertvollste am Elektroschrott der Konsumenten. Denn die Leiterplatten der Computer enthalten mehr Edelmetalle als Handys oder anderer Elektronik-Müll. Für das Recycling von Kupfer, Gold und Silber aus Computern, aber auch Handys und Fernsehern, existieren technisch ausgereifte Verfahren. Doch sie werden zu selten eingesetzt, weil viele Recyclingfirmen ihr Geld vor allem mit der Schadstoff-Entsorgung verdienen. Um Edelmetalle recyceln zu können, müssten sie technisch nachrüsten. Damit mehr Betriebe diese Investition möglichst bald vornehmen, sollte die Politik entsprechende Anreize schaffen, meinen Recyclingforscher. Dann ließe sich ein hoher Anteil der wertvollen Metalle zurück gewinnen.
Von Peggy Fuhrmann; Internetfassung: Ursula Schachenhofer
Letzte Änderung am: 27.02.2012, 08.04 Uhr