Sendung vom Donnerstag, 26.1. | 19.20 Uhr | SWR2
Diskutieren Sie mit!
Thema: Wie soll man der Opfer der Nationalsozialisten gedenken?
Gast im Studio: Eugen Herman-Friede, Zeitzeuge
Moderation: Bernd Lechler
Am 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Es ist gut, dass es diesen Tag gibt, weil er eine Gewähr dafür bietet, dass die Opfer der mörderischen Politik der Nazis nicht vergessen werden. Und weil er ein Anlass ist, sich zu fragen, wie solche schwersten Verbrechen verhindert werden können. Wie bei allen offiziellen Gedenktagen besteht aber auch die Gefahr, dass das Gedenken ritualisiert wird und erstarrt. Das kann vor allem bei Jüngeren dazu führen, dass sie sich desinteressiert abwenden oder sich gar von Leuten beeinflussen lassen, die behaupten, alles sei gar nicht so schlimm gewesen.
Als kompetenter Gast im Studio und Gesprächspartner wird Eugen Herman-Friede die Fragen des Moderators und der Hörer beantworten.
Eugen Herman-Friede ist Jude, wurde 1926 in Berlin geboren und tauchte als 16-Jähriger unter, um der Deportation in ein Vernichtungslager zu entgehen. Nach einer längeren Flucht wurde er von einer Familie im kleinen brandenburgischen Städtchen Luckenwalde aufgenommen und versteckt. Hier schloss er sich einer Widerstandsgruppe an, druckte Flugblätter, verteilte sie und half dabei, Verfolgten einen Unterschlupf und falsche Papiere zu besorgen. Im Herbst 1944 flog die Gruppe auf und Eugen Herman-Friede wurde verhaftet. Der Verurteilung durch den NS-Volksgerichtshof entging er nur knapp, weil vorher die Russen kamen.
Eugen Herman-Friede hat ein Buch über seine Geschichte geschrieben. Es heißt "Abgetaucht! Als U-Boot im Widerstand", ist allerdings leider vergriffen. Regelmäßig liest er Schülern daraus vor. Seine Erfahrungen dabei schilderte er beim Festakt zur Eröffnung der Gedenkstätte "Stille Helden" im Herbst 2008 im Berliner Rathaus folgendermaßen:
"Das starke Interesse, die Aufmerksamkeit und die intelligenten Fragen haben bis heute nicht nachgelassen. Die erste Schule, die mich 1991 einlud, hat mich in diesem Frühjahr zum 18. Mal eingeladen. Ich bemühe mich mit meinen Möglichkeiten, den Jugendlichen die Notwendigkeit von Toleranz und Zivilcourage beizubringen."
Letzte Änderung am: 23.01.2012, 16.17 Uhr