Sendung vom Donnerstag, 16.2. | 7.07 Uhr | SWR2
Zur Tonlage in der europäischen Debatte über Griechenland: "Man kann ein Volk nicht behandeln, als bestünde es aus Kriminellen"
Der frühere Vizepräsident der EU-Kommission, Günter Verheugen (SPD), hält den europäischen Umgang mit Griechenland für respektlos. Im Südwestrundfunk (SWR) sagte Verheugen, er sei „entsetzt von der Tonlage“, in der derzeit über die Griechen gesprochen werde. Ein Volk könne man nicht behandeln, „als bestünde es aus Kriminellen“. Niemand dürfe glauben, „zu einer Strafexpedition aufbrechen zu können“. Das geplante neue Hilfspaket setze wie das bisherige erste Sparprogramm für Griechenland „dogmatisch“ auf die falsche Erwartung, dass jeder nur „den Gürtel enger schnallen“ müsse, um die Dinge ins Positive zu wenden, beklagte Verheugen. Statt für Wachstumsprogramme zu sorgen, agierten die Finanzminister der Euro-Zone mit ihrer Fixierung auf Haushaltsfragen wie eine Feuerwehr, die sich „in der Rolle eines Brandbeschleunigers“ gefalle. Die Folgen seien heute schon absehbar. Wenn jeder zweite Jugendliche arbeitslos werde, stelle sich doch – so Verheugen- die Frage, „Wo sollen die Leute denn hin, wollen wir sie in Deutschland haben und ihnen Arbeitsplätze geben ?“
Letzte Änderung am: 15.02.2012, 16.31 Uhr