Sendung vom Mittwoch, 23.11.2011 | 7.07 Uhr | SWR2
Zum Stand der Euro-Krise: "Für die Rettung der Währungsunion haben wir nicht mehr viele Alternativen"
Der „Wirtschaftsweise“ Lars Feld hält die Euro-Bond-Vorschläge der EU-Kommission für falsch. Im Südwestrundfunk (SWR) sagte Feld, die von Brüssel angebotenen Varianten liefen darauf hinaus, die Schulden der Euro-Zone auf Dauer zu vergemeinschaften. Damit würden die hoch verschuldeten Staaten aber nicht dazu gebracht, so schnell wie möglich ihre Haushalte in Ordnung zu bringen. Feld warb stattdessen erneut für das Alternativmodell des Sachverständigenrats der Bundesregierung. Danach sollte jeder Euro-Staat weiterhin für die Schulden selbst einstehen, die bis zu 60 Prozent seiner Wirtschaftsleistung ausmachen. Alles, was an Schulden darüber hinausgeht, sollen die Euro-Länder nach diesem Vorschlag in einen Tilgungsfonds einbringen, der dann von allen zusammen innerhalb von 20 bis 25 Jahren abgebaut wird. Der Wirtschaftsweise sagte, das Modell unterscheide sich von den Vorstellungen der EU-Kommission, weil es die gemeinschaftliche Verantwortung für einen Teil der Schulden nicht auf Dauer anlege, sondern zeitlich befriste. Wenn die Bundesregierung dem Rat der Sachverständigen nicht folge, habe sie „für die Rettung der Währungsunion“ nur noch zwei Alternativen, sagte Feld. Entweder blieben dann tatsächlich nur noch die umstrittenen Euro-Bonds, oder aber die Europäische Zentralbank müsse mit Hilfe der Notenpresse immer weiter Staatsanleihen ankaufen. Diese letzte Variante sei schon deshalb abzulehnen, weil sie ein „zu großes Inflationspotenzial“ berge.
Letzte Änderung am: 16.10.2011, 04.29 Uhr