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SWR2 am Morgen - Glosse Zwischen Phaeton und Papamobil

Die Deutsche Umwelthilfe hat die Karosserie der katholischen Bischöfe auf Umwelttauglichkeit überprüft. Glosse von Hans Gerzlich. SWR2 am Morgen, 26.10.2011

Sankt Martin war ein guter Mann, der uns als Beispiel gelten kann!
Schließlich hat der spätere Bischof von Tours - damals noch römischer Soldat, mit schmucker Uniform und hoch zu Roß - seinen halben Mantel einem Bettler geschenkt.

Und während der Papst unlängst noch die Verweltlichung der Kirche beklagte, hat die Deutsche Umwelthilfe mal überprüft, womit der Bischof von Welt denn heute so unterwegs ist und nennt jetzt Roß und Reiter. Ergebnis: 1.700 Jahre nach St. Martin kommt so ein Bischof mit einer Pferdestärke nicht mehr aus! Da dürfen es gerne mal über 200 sein.

Deshalb sind die Rückleuchten... äh... Schlußlichter unter Umweltschutzaspekten übrigens in seltener Ökumene der katholische Bischof Overbeck aus Essen und Hannovers evangelischer Landesbischof Meister: Um die Frohe Botschaft, Barmherzigkeit und Mäßigung zu verkünden, bereist man das Bistum im VW Phaeton.
Der ist immerhin Spitzenreiter beim Co2-Austoß und damit bei der Schädigung der Ozonschicht. Die machen den Himmel kaputt! Wahrscheinlich sitzt Petrus da oben, blickt sorgenvoll auf sein Bodenpersonal herab und meldet: "Chef, so langsam wird die Luft ganz schön dünn hier oben!"

Daß darüber hinaus ausgerechnet christliche Würdenträger ein Auto fahren, das nach einer Figur aus der griechischen Mythologie benannt wurde... Dieser Phaeton war nämlich der Sohn des Sonnengottes Helios. Und der war stets im Sonnenwagen unterwegs. Man weiß nicht, war es ein Cabrio oder ein frühes Solarmobil - was ja immerhin für ein gewisses Umweltbewußtsein der griechischen Gottheiten spräche!
Na, jedenfalls hat der Junior - dieser Phaeton - sich irgendwann die Karre heimlich ausgeborgt und an die Wand gefahren - was wiederum nicht gerade für die namensgebende Marketing-Abteilung bei VW spricht. Wußten die das nicht? Oder wird der serienmäßig mit einer Christopherus-Plakette ausgeliefert, dem Schutzheiligen der Autofahrer? Quasi als Gegenzauber.

Gut, daß die Deutsche Umwelthilfe die Untersuchung aufs Inland beschränkt hatte. Das aktuelle Papamobil hat nämlich fast 300 PS! Und der Panzerglasaufbau ist der Stromlinienförmigkeit ja nun alles andere als zuträglich. Unter Umweltgesichtspunkten müßte Benedikt XVI. die von Johannes XXIII. abgeschaffte Sänfte wieder einführen - und auch gleich als Dienstfortbewegungsmittel für seine Bischöfe vorschreiben. Allerdings... da ist der eine oder andere Disput mit der Autobahnpolizei vorprogrammiert...

Also bleibt alles beim Alten: Nobel geht die Welt zugrunde. Wie gut, wenn einem da das Himmelreich winkt...

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