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Von Jan Weiler

Italien. Vor diesem Urlaub war ich lange nicht mehr am Strand, denn irgendwie nervt Strand ja auch ganz gewaltig. Überall klebt Sand, man kann sich seine Nachbarn nicht aussuchen, muss kilometerweit laufen, das Wasser ist zu kalt und es schwimmt Abfall drin. Immer ist es zu windig für Federball und die Preise für Eis an der Strandbude erweisen sich als verbrecherisch. Und dann, wie gesagt, dauernd dieser doofe Sand. In den Ohren, im Essen, in der Badehose. Trotzdem wollte Sarah unbedingt an den Strand. Den Sand dort fände sie gerade gut und ich könne ja auf dem Parkplatz warten, der sei asphaltiert und keinerlei Gefahr für meine Ohren, mein Essen und meine Badehose.
Wir fuhren also vom diesjährigen Ferienhaus knapp 80 Kilometer weit nach Westen, um zwischen Italienern und Italienern in Ausbildung einen Strandtag zu absolvieren. Unser Sohn unterhielt uns mit der ausführlichen Interpretation seines neuen Lieblingsliedes „Finger im Po, Mexiko“. Ein Land, das solche Schlager hat, braucht keine Atomwaffen. Während Nick sang, Carla sich darüber beschwerte und Sarah mit ihrem Vater telefonierte, erinnerte ich mich an meine Kindheit: Wir fuhren vor über 30 Jahren gerne nach Sylt, mieteten dort ein Haus mit Reetdach und pilgerten jeden Tag über endlose und ölig riechende Holzwege, über die Düne an den breiten Strand, aus dem bunte Körbe wie Pilze zu wachsen schienen. Wenn wir einen gekapert hatten, bauten wir sofort einen antiimperialistischen Schutzwall drum herum und verzierten diesen mit Muscheln. Tja, was man halt als deutsches Kind so macht am Strand. Als dann eine Quallenplage aufkam, veranstalteten wir mit anderen Kindern eine Quallenschlacht und bewarfen uns gegenseitig mit den Handteller großen Dingern. Das war toll. Die Warnung vor Feuerquallen nahmen wir nicht ernst. Wir hielten die Feuerqualle als solche für eine Ausgeburt unernster Erwachsenenpädagogik, vergleichbar mit Knecht Ruprecht oder dem Schneider mit der langen Schere. Ha! Einfach lächerlich. Jedenfalls fuhren wir einmal ins Krankenhaus wegen der Feuerqualle, die mein Bruder besser nicht angefasst hätte.
An italienischen Stränden sollte es in diesem Jahr haufenweise Quallen der unangenehmen Sorte geben. Dies hatte ich vormittags im Internet recherchiert. Aber es half mir nicht, denn Sarah fand, dass man dann eben nicht ins Meer könne und dafür mehr vom Sand habe. Carla erklärte, dass sie eine Quallenplage ihrem kleinen Bruder vorzöge und dieser rief, dass er Quallen geil fände. Aber seine Meinung zählt nicht. Er findet auch „Finger im Po, Mexiko“ geil.
Am Strand angekommen, schärften wir den Kindern ein, unter überhaupt keinen Umständen ins Wasser zu gehen und suchten uns ein einigermaßen sauberes Fleckchen, welches nur einen halben Kilometer von der hochfrequentierten Strandbude entfernt lag. Dort verbrachte ich nun einen wunderbaren Strandtag, genau genommen war es aber nur eine wunderbare Strandstunde. Ich holte nämlich den Kindern ein Eis an jener weit entfernten Strandbude, und auf dem Rückweg war der Sand so irre heiß, die Fußsohlen schmerzten so. Also ging ich durch das knöcheltiefe und angenehm kühle Wasser.
Wenn Sie Bekanntschaft mit einer Qualle gemacht haben, müssen Sie die Stellen mit Salzwasser abwaschen, auf keinen Fall mit Süßwasser, denn dabei platzen die auf der Haut verbliebenen Nesseln, und alles wird nur noch viel schlimmer. Das können Sie mir glauben.
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