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SWR2 Meinung Kamelle für die Eurozone und wie man lustig durch die Krise kommt

Eine Glosse von Wirtschaftskabarettist Hans Gerzlich. SWR2 am Morgen, 11.11.2011

Endlich ist es wieder so weit: Heute ist der Elfte im Elften!
Sie wissen schon... Nein, nein, ich will nicht darauf hinaus, dass heute vor 93 Jahren der 1. Weltkrieg offiziell beendet wurde. Oder heute vor genau 57 Jahren der zweite Teil von "Herr der Ringe" erschienen ist. Sondern - genau - heute feiert Friedrich März seinen 56. Geburtstag! Dieser inzwischen völlig zurecht vergessene Mofa-Rocker aus dem Sauerland, der wollte, dass wir unsere Steuererklärung auf einem Bierdeckel machen.
Wenn Sie jetzt heute Abend sofort in die nächste Kneipe stürmen, um sich dort die passenden Formulare zu besorgen, und neben Ihnen an der Theke sitzt einer mit einer roten Pappnase im Gesicht, gegenüber einer mit einer überdimensionierten Propellerfliege um den Hals und die anwesenden Damen sind wahlweise wie Pipi Langstrumpf, Ntscho-Tschi oder Prinzessin Lillifee zurecht gemacht, dann wissen Sie: Es ließ sich auch dieses Jahr nicht vermeiden, umgehen oder totschweigen: Die fünfte Jahreszeit ist über uns hereingebrochen!

Und rechtzeitig zu Beginn der Session schmeißen Merkel und Sakorzy noch mal so richtig Kamelle in die Eurozone.
Seine griechische Tollität Papandreou III. hat derweil schon das Zepter aus der Hand gelegt.
Der Dritte? Ja ja, schließlich waren schon dessen seliger Opa und sein eher unseliger Herr Papa griechische Ministerpräsidenten.
Sollte man das Auszahlen der nächsten Tranche der Finanzhilfe vielleicht mal nicht von sowieso völlig unerreichbaren Sparzielen abhängig machen, sondern von der Abschaffung dieser als Demokratie getarnten Erbmonarchie mitsamt ihrem über Jahrzehnte verfilzten Beamtenapparat? Oder sollten wir einfach lieber stillschweigend den Zaster überweisen und uns darüber freuen, dass diese Art der Erbfolge bei uns ausgeschlossen ist weil die Merkel keine Kinder hat.

Außer ihre Sorgenkinder natürlich: Philip Rösler, Guido Westerwelle und Christian Lindner – das Dreigestirn der FDP. Prinz, Bauer und Jungfrau – wobei Sie sich da jetzt selber aussuchen können, wer da wer ist!
Die wachen nach jeder Wahl seit 2009 am nächsten Morgen verkatert auf wie nach Altweiberfastnacht und stellen fest, dass ihr Fraktionsvorsitzender Brüderle mehr Promille in der Blutbahn als die FDP Prozente an der Wahlurne.
Und deshalb soll gegen den Brummschädel nun endlich das Wundermittel schlechthin her: Nein, nein, nicht drei rohe Eier im Glas, ein Rollmops und zwei saure Gurken, sondern Steuersenkungen, Steuersenkungen, Steuersenkungen – damit man nicht weiter in die eigene Versenkung steuert.

Na denn: Kamelle!
Das Narrenschiff hält weiter Kurs und am Aschermittwoch ist alles vorbei – also nach der Bundestagswahl 2013.
Vorausgesetzt Prinz, Bauer und Jungfrau halten überhaupt noch so lange durch. Für den Fall sollten wir uns allerdings schon einmal zwei, drei Aspirin auf den Nachttisch legen. In diesem Sinne: Helau und Alaaf!

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