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Panik und Hysterie Schweinegrippe - viel Lärm um (fast) nichts

Vor einem Jahr warnten Wissenschaftler vor Millionen von Toten weltweit. Jetzt steht fest: Die Hysterie vor der Schweinegrippe war überflüssig. Politik, Medien und Gesellschaft haben überreagiert. Wie so oft...


Vier Wochen Panik - dann ist alles vorbei. Dieses Verhalten ist nur allzu menschlich, sagt der Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow: "Eine neue Gefahr schätzen wir zunächst immer viel zu hoch ein. Nach einer gewissen Zeit gehen wir dann zur Tagesordnung über und lassen uns nicht mehr beeindrucken, auch wenn die Gefahr weiter besteht." Das Unkontrollierbare versetzt die Menschen häufig in Angst und Schrecken. Spektakuläre Krankheiten beispielsweise sind Topthema in den Medien, auch wenn nur wenige betroffen sind. Bekannte Risiken werden dagegen bewusst ignoriert: "43 Prozent der Deutschen sterben an Herz- und Kreislauferkrankungen. Durch schlechte Ernährung arbeiten wir förmlich daraufhin", so der Angstforscher.

Die Hysterie ist weg, die Probleme bleiben

Mit der Angst leben heißt, sie zu ignorieren

Die German Angst ist ein Mythos, sagt Borwin Bandelow. Allerdings gebe es ein Nord-Süd-Gefälle. Das bedeutet: "Wer am Äquator lebt, ist in der Regel etwas zuversichtlicher, auch wenn das Leben nicht so gut verläuft. Menschen im Norden sind häufig ängstlich und neigen zur Überreaktion."

Das Gehirn ist Meister im Verdrängen. Diese Strategie ist überlebenswichtig. Denn nur so kann der Mensch Extremsituationen bewältigen: "Denken Sie beispielsweise an Menschen in Südafrika oder im Irak, wo sehr viel Gewalt herrscht", gibt der Angstforscher zu bedenken. "Die Bewohner dort gehen zur Arbeit oder auf den Markt, obwohl sie wissen, dass Bomben explodieren können."

Die Politik ist in der Zwickmühle

Ein Jahr nach Ausbruch der Schweinegrippe kritisieren viele Experten, die Politiker hätten überreagiert. Für falsche Entscheidungen muss der Steuerzahler gerade stehen. Er bezahlt die ungenutzten Impfdosen, die millionenfach bei den Gesundheitsämtern lagern. Allerdings sind Politiker häufig Getriebene des Systems, sagt der Göttinger Professor Borwin Bandelow. Die Medien forderten konsequentes Handeln. Aus Angst vor der nächsten Wahl, kämen dann Entscheidungen wie die Massenimpfung bei der Schweinegrippe zustande. Deshalb richtet Bandelow einen konkreten Appell an die Regierenden: "Ich würde mir wünschen, dass Politiker die tatsächlichen Gefahren besser einschätzen und beruhigend auf die Bevölkerung einwirken."

Andreas Böhnisch

Letzte Änderung am: 14.04.2010, 13.52 Uhr

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