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SWR2 Radio Akademie Zukunft der Arbeit

12-teilige Reihe in SWR2 Wissen
Vom 7.Mai bis 23.Juli 2011, jeweils samstags ab 8.30 Uhr

Radio Akademie "Zukunft der Arbeit"

Radio Akademie "Zukunft der Arbeit"

Unser Konzept der Lebensarbeitszeit ist starr und passt weder zu modernen Familienstrukturen und  zur steigenden Lebenserwartung noch zu den Anforderungen des Arbeitsmarktes. Dort wird der flexible und mobile Arbeitnehmer gesucht. Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für flexible Organisationskonzepte und verabschieden sich von festen Schreibtischen, vorgegebenen Abläufen und geregelten Arbeitszeiten. Physische Anwesenheit verliert an Bedeutung, ständige Erreichbarkeit wird dafür umso wichtiger. Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit löst sich auf. Wie sieht die Arbeit der Zukunft aus?

Wenn Anke Iris Kirch von ihrem Arbeitsplatz spricht, dann meint sie damit keinen konkreten Ort, sondern ihr schwarzes Notebook. Es ist ihr Kommunikationsmittel und ihr Gedächtnis. Wo es ist, kann sie ihre Arbeit als Pressesprecherin für IBM Norddeutschland erledigen – egal ob in der Hamburger Firmenzentrale, zu Hause im Wohnzimmer, auf dem Flughafen oder an jedem beliebigen Standort ihres Unternehmens. »Die Mitarbeiter wählen ihren Arbeitsplatz danach, wo die Arbeit gerade am sinnvollsten zu erledigen ist«, sagt sie.

Mit Kunden und Kollegen ist sie virtuell verbunden. Telefongespräche und Emailverkehr werden automatisch an ihr Notebook weitergeleitet. Wo sie den Anruf entgegen nimmt oder die Mail beantwortet, merkt der Gesprächspartner gar nicht. Dokumente werden nicht mehr ausgedruckt, sondern nur noch in der Firmendatenbank gespeichert.
Schon 1999 hatte sich IBM als erstes Großunternehmen von Papier und festen Schreibtischen verabschiedet. Statt zum vertrauten Geplänkel an der Kaffeemaschine treffen sich die engsten Kollegen seitdem im Chatroom der Firma. »Wir tauschen uns auch in Blogs aus«, sagt Anke Iris Kirch, »80 Prozent der Kommunikation wickele ich über Instant Messaging ab.«

Nicht jeder Mitarbeiter kommt damit klar. »Wir haben regelrechte Verwahrlosungszustände vorgefunden«, sagt die Duisburger Psychologin Anja Gerlmaier, die Stress und Burnout in Unternehmen ohne feste Arbeitsplätze und -zeiten untersucht hat. »Gerade Leute, die alleine leben, arbeiten von zu Hause oft 14 Stunden am Tag. Sie hören auf, sich zu waschen, gehen nicht mehr einkaufen und verabreden sich nicht mehr mit Freunden.« Ohne die direkte soziale Kontrolle der Kollegen nehmen Pausen nicht etwa zu, sondern ab. Wenn die Arbeit sich von Raum und Zeit ablöst, hört sie nie mehr auf.


Letzte Änderung am: 29.04.2011, 14.22 Uhr