Carl Czerny und seine Zeit (1-4)
Sendung vom Freitag, 4.5.2007 | 9.05 Uhr | SWR2
mit Thomas Rübenacker
Er wurde schon mit zehn Jahren Schüler von Beethoven, und später war er der Lehrer von Franz Liszt: Carl Czerny, der am 15. Juli vor 150 Jahren verstarb, und zwar als reicher Mann. Das aber rührte nicht daher, dass er als Komponist ein begnadeter Selbstvermarkter gewesen wäre, oder dass ihm als Klaviervirtuosen Europa zu Füßen gelegen hätte - der Mann trat ganz bescheiden als Klavierlehrer auf, unterrichtete aber nur die Reichsten und die Besten, das heißt, er füllte sein Säckel und war zugleich ein Ahnvater europäischen Virtuosentums. Immer noch verwendet werden, mitunter als Folterinstrumente, seine Lehrwerke im heutigen Klavierunterricht, Kompendien wie die "Schule der Geläufigkeit" oder die "Schule der linken Hand". Deswegen gab Grete Wehmeyer ihrem Czerny-Buch den so pointierten wie sperrigen Titel "C. Czerny und die Einzelhaft am Klavier oder Die Kunst der Fingerfertigkeit und die industrielle Arbeitsideologie". Zeitweise ließ Czerny tatsächlich geradezu industriell "komponieren", also "zusammensetzen" - von bis zu vier Handlangern mit musikalischen Fertigteilen wie von Ikea. Aber manchmal gelang ihm auch ein völlig überraschender Wurf ... Und für das Überleben Bachs, Mozarts oder Beethovens im romantischen Zeitalter war er ohnehin der Wichtigste, zumindest auf seinem Instrument, dem Klavier.
Letzte Änderung am: 30.03.2007, 13.59 Uhr
Der SWR ist Mitglied der ARD ![]()
Sitemap | Impressum | Datenschutz | © SWR