Sendung vom Freitag, 12.2.2010 | 10.05 Uhr | SWR2
Eine Stasi-Aktion, ihre Opfer und die Nachgeborenen
Von Immo Sennewald
In einer Großaktion mit Verhaftungen, wochenlangen Verhören fast aller Einwohner und unter riesigem Personaleinsatz an Hauptamtlichen und Spitzeln zerschlug die Stasi 1968 eine vermeintliche Verschwörung gegen Walter Ulbricht in Steinbach, einem Dorf im Thüringer Wald. Nach Jahren in Untersuchungshaft wurden zum Teil lebenslange Haftstrafen gegen die "Attentäter" verhängt, die sich eigentlich nur unerlaubten Waffenbesitz, Wilderei und ein paar drastische Töne gegen Partei und Staat hatten zuschulden kommen lassen. Der Fall kam erst nach dem Ende der DDR an die Öffentlichkeit; er war exemplarisch für die Willkür von Behörden und Justiz im SED-Staat und er hinterließ tiefe Gräben zwischen den Einheimischen. Die Verantwortlichen wurden nie belangt. 40 Jahre danach sind noch zwei der Verurteilten am Leben. Gemeinsam mit ihren Familien sind sie in der angestammten Heimat geblieben, gestützt auf Traditionen, stolz auf den Nachwuchs. Das historische Ortsbild von Steinbach trotzt den Spuren von DDR-Verfall und Wirtschaftskrise, es ist unverwechselbar wie manche alten Bräuche und der Wille der einst Verfolgten, ihrer Kinder und Enkel zur Selbstbehauptung.
Letzte Änderung am: 03.01.2010, 05.07 Uhr