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Radio im SWR

SWR2 Leben Bagdad atmet noch

Sendung vom Dienstag, 1.7.2008 | 10.05 Uhr | SWR2

Eine irakisch-deutsche Freundschaft
Von Stephanie Dötzer

Laith Mushtaq kommt aus Bagdad, ist blond und blass und anders, als man sich einen Iraker vorstellt. Doch seine Geschichte spiegelt die seines Heimatlandes: Seine Jugend ist geprägt vom Iran-Irak-Krieg, als 20-Jähriger muss er als Soldat nach Kuwait. Von den 2.000 Rekruten seiner Kompanie überleben 17. Zurück in Bagdad macht Laith eine Ausbildung zum Kameramann und hält sich mit Filmaufnahmen bei Hochzeiten über Wasser. Für das irakische Fernsehen kann er nicht arbeiten, denn er ist kein Mitglied der Baath-Partei. Als die amerikanische Armee 2003 den Irak angreift ist Schluss mit Hochzeitspaaren vor der Kamera: Er bekommt eine Stelle als Kameramann im Bagdad-Büro des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera, filmt die Angriffe auf seine Heimatstadt, den Fall des Regimes und die Straßenkämpfe in Fallujah. In anderthalb Jahren hat er zwei Tage dienstfrei: Einmal, um die Beerdigung seiner Schwester zu organisieren, die bei einem amerikanischen Raketenangriff ums Leben gekommen ist. Das zweite Mal, weil sein Kameraassistent neben ihm erschossen wurde. Heute lebt er in Katar - in Gedanken aber noch immer im Irak.

Letzte Änderung am: 01.07.2008, 20.27 Uhr