Jeder ist ein Investor
Sendung vom Montag, 2.1. | 19.05 Uhr | SWR2
In den USA und in Frankreich ist das "Crowdfunding" als alternative Kulturfinanzierung schon etabliert. Schaut man ins vergangene Jahr, geht der Trend auch in Deutschland nach oben. Wir erklären, wie's funktioniert und fragen den Medienwissenschaftler Dennis Brüntje, wie seriös das "Spenden 2.0" wirklich ist.

Auf mysherpas.com wirbt Martin Sell für seinen Dokumentarfilm über Loriot.
Inkubato, mySherpas, pling, Startnext und VisionBakery – so heißen die bekanntesten Crowdfunding-Plattformen in Deutschland. Seit rund einem Jahr sind diese Portale nun online. Und am Ende des Geschäftsjahres 2011 können die genannten Plattformen Wachstumszahlen in zweistelliger Höhe vorweisen.
So unterschiedlich die Kreativen sind, die sich auf den Crowdfunding-Plattformen tummeln – Musiker, Drehbuchautoren, Journalisten, Designer, Architekten und sonstige Künstler – so eint sie doch Eines: Notorischer Geldmangel. Sie alle suchen Geldgeber, beispielsweise wenn es darum geht, eine Musik-CD zu produzieren, oder einen besonderen Dokumentarfilm oder wenn man Material- und Reisekosten für die nächste bevorstehende Ausstellung benötigt. Und statt auf den Sponsor, den Investor oder das Förderprogramm zu setzen, baut Crowdfunding auf viele Geldgeber.
Ein Selbstläufer ist das Crowdfunding jedoch nicht. Richtig erfolgreich wird man auf den Plattformen erst, wenn man sein Projekt detailiert beschreibt und multimedial vermarktet. Beispielsweise mit Bildern oder einem kleinen Video. Ein Projekt kommt nämlich erst dann in die Finanzierungsphase, wenn sich – abhängig von der benötigten Summe - genug Fans und Sponsoren gefunden haben, die die Idee unterstützen.
Hat man die Finanzierungsphase dann erreicht, geht es darum, seine Idee bekannt zu machen. Über Blogs und soziale Netzwerke, wie Facebook und Twitter, berichten die Kreativen über die Entwicklung ihrer Projekte und versuchen über das Netzwerk ihrer Fans und Sponsoren weitere Unterstützer zu finden. Beteiligen kann sich Jeder und das bereits mit einem kleinen Betrag.
Bei Kulturprojekten ist die Gegenleistung meist immaterieller Natur: Der freie Download eines Songs von der gesponserten CD, eine kostenlose Konzertkarte für die anstehende Tournee oder auch einfach nur ein Blick hinter die Kulissen beim Dreh eines Films. Und sollte der erhoffte Betrag nicht zusammenkommen, bekommt jeder Spender sein Geld wieder zurück. Bei kommerziellen Projekten ist der Geldgeber dagegen weniger ein Spender mit Spaßbeteiligung, sondern ein stiller Teilhaber, der auf langfristigen Gewinn hofft.
Eine Sendung von Thomas Ihm | Text: Miriam Mörtl
Letzte Änderung am: 02.01.2012, 10.54 Uhr