Welche Katastrophen interessieren, welche nicht?
Sendung vom Mittwoch, 1.2. | 19.05 Uhr | SWR2
Der ehemalige Leiter des Organisation Cap Anamur Elias Bierdel spricht über die katastrophale Situation der Flüchtlinge im Mittelmeer.
Das Unglück des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia ist erschütternd, nicht weniger erschütternd ist das Schicksal der Bootsflüchtlinge, die auf Schrottkähnen unterwegs sind nach Europa. Für die Überfahrt übers Mittelmeer zahlen sie mindestens genauso viel Geld wie die Vergnügungstouristen. Letztes Jahr kamen schätzungsweise 3000 Bootsflüchtlinge ums Leben. Wenn Flüchtlinge ertrinken, ist das allerdings selten mehr als eine Randnotiz.
In SWR2 Kontext spricht Elias Bierdel über den medialen Hype, den das Unglück der Costa Concordia im Mittelmeer ausgelöst hat. Jetzt, so der ehemalige Leiter der Organisation Cap Anamur, sollte man auch den Blick auf die Menschen werfen, die als Flüchtlinge versuchen, das Mittelmeer in Richtung Europa zu überqueren. Eine in vielen Fällen tödlich endende Reise.
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Bierdel wurde 2009 freigesprochen. In seinem Buch "Ende einer Rettungsfahrt" beschreibt die Flüchtlingsproblematik im Mittelmeer. 2007 gründete er den Verein Borderline Europe, der die zahlreichen Flüchtlingsdramen an den EU-Außengrenzen dokumentieren soll.
Warum interessieren die Toten der Costa Concordia mehr, als die ertrunkenen Flüchtlinge auf den Schrottkähnen im Mittelmeer? Dieser Frage geht Elisabeth Brückner im Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Norbert Bolz von der Technischen Universität Berlin nach. Der Grund, so der Medienwissenschaftler, liegt im Überraschungseffekt, den die Kreuzfahrt-Katastrophe auslöste:
Eine Sendung von Elisabeth Brückner | Internet: Miriam Mörtl
Letzte Änderung am: 01.02.2012, 12.39 Uhr