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Die "three minute philosophy" - Animationsfilme von S Peter Davis

Stolpernde Kleinkinder, malende Katzen oder kichernde Kanarienvögel – auf dem Videoportal Youtube im Internet ist jede Menge mehr oder weniger lustiger Quatsch zu sehen. Aber in der Masse der belanglosen kleinen Kalauerfilmchen gibt es auch echte Perlen zu entdecken – philosophische Perlen zum Beispiel. Unter dem Titel "three minute philosophy" präsentiert ein Autor aus Australien kurze Animationsfilme über die großen Denker der Philosophiegeschichte.
"Es ist englisch. Es ist schnell. Aber es ist unfassbar cool." Mit diesen drei Sätzen hat neulich eine Bloggerin beschrieben, was sich hinter dem Titel "three minute philosophy" im Netz verbirgt. Und treffender kann man es nicht sagen – englisch, schnell und unfassbar cool referiert da ein gewisser S Peter Davis über die Klassiker der Philosophie.

Zum Beispiel Platon. In rasantem Tempo wird er erst einmal verortet - ein großartiger Philosoph, der in Griechenland um das Jahr 400 vor Christus "rumgebolzt" habe. Einer der wichtigsten überhaupt. Und dann geht es mit Höchstgeschwindigkeit mitten rein in Platons Werk – und zwar in Wort und Bild. Mit selbstgezeichneten Comicfiguren, Fotomontagen und Collagen erklärt Davis en passant das Prinzip des literarischen Dialogs bei Platon als "crossover fanfiction". Gleich im Anschluss sehen wir antike Strichmännchen, die sich mit Schattenspielen an einer Felswand amüsieren – Platons Höhlengleichnis. Und schließlich das Fazit: Platon stehe als Erfinder der Philosophie außer Konkurrenz!

Mit Beethovens "Ode an die Freude" enden alle "three minute philosophy"-Episoden, ob es um Aristoteles geht, Thomas von Aquin oder Immanuel Kant. Der Kant-Clip ist einer der besten und witzigsten der Serie. Mit sehr charmanten Krakelzeichnungen von Engelchen und Teufelchen bringt S Peter Davis da rucki-zucki den Kategorischen Imperativ auf den Punkt.
So bereitwillig er sein philosophisches Grundwissen mit der Internetgemeinde teilt, so diskret ist S Peter Davis über seine eigene Person. Vielleicht heißt er ja auch ganz anders. Auf der "three minute philosophy" Website jedenfalls verrät er nur soviel: Er lebe in Australien, schreibe für die Website cracked.com sowie fiktionale Texte, die nicht zur Veröffentlichung geeignet seien, und Geld verdiene er als Universitätsbibliothekar. Dankbar muss man ihm sein für die intelligenten und frechen Philosophie-Clips, von denen die meisten mindestens so informativ sind wie die entsprechenden Wikipedia-Artikel. Nur lustiger.

Davis’ Fangemeinde verlangt sowieso ständig nach mehr. Auf Facebook posten die "three minute philosophy"-Freunde ihre Wünsche. "Give me Montaigne!" heißt es da, oder: "We want Kierkegaard, Sartre and Foucault!" Wobei Beiträge über die beiden letzteren wohl von Davis eher nicht zu erwarten sind. In seinem Video über Descartes nämlich führt er aus, dass seither aus Frankreich kein nennenswerter Beitrag zur Weltkultur gekommen sei.
Und ähnlich radikal geht der Mann aus Australien mit Nietzsche ins Gericht. Ihm widmet er einen gerade mal einmütigen Clip – und nur ein Wort: "No !"
Kathrin Hondl
Letzte Änderung am: 20.09.2011, 14.05 Uhr