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Wer steckt hinter den Klimaskeptikern?
Kommentar von Gabor Paal im SWR2 Journal am Morgen vom 29.11.2010

Während des Klimagipfels werden wir wieder Post bekommen. Das ist vorhersehbar: Fast nach jedem Bericht über den Klimawandel oder Klimapolitik trudeln bei uns Mails und Briefe ein, um uns zu belehren, dass das mit dem Klimawandel gar nicht stimmt, dass das CO2 mit dem Klima überhaupt nichts zu tun hat, und die Klimalüge der größte Politikskandal überhaupt sei.
Was mache ich als Journalist mit solchen Briefen? Erst mal gehe ich den darin enthaltenen sachlichen Hinweisen nach. Bisher hat sich ausnahmslos jedes Mal die Argumentation, sofern vorhanden, schon nach kurzer Recherche als haltlos erwiesen, oft stimmen schon die genannten Zahlen nicht. Manchmal verweisen die Zuschriften auch auf die Forschungen angeblich hochkarätiger Wissenschaftler, die eindeutig den Klimawandel bzw. den menschengemachten Treibhauseffekt widerlegt hätten. Und weil ich geduldig bin, schaue ich also: wer sind diese hochkarätigen Wissenschaftler?
Fangen wir mal in den USA an, da gibt es den berühmten Fred Singer. Immerhin ein altgedienter Atmosphärenphysiker, wenn auch längst im Ruhestand. Singer hält den Einfluss des CO2 für völlig übertrieben, er kommt auch nach Deutschland zu Veranstaltungen, als Gast der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung: Auch die umweltpolitische Sprecherin der Union, Marie-Luise Dött, hat sich schon von ihm beeindrucken lassen. Fred Singer hält das CO2 für harmlos, so wie er auch früher schon bestritten hat, dass Rauchen Krebs erzeugt, oder dass vom Ozonloch irgendwelche Gefahren ausgingen. Für diese starken Auftritte hat Singer ordentlich Geld von den jeweils betroffenen Industrien kassiert. Von Singer gibt es Verbindungen in die deutsche Klima-Skeptiker-Szene.
Den seriösesten Anstrich im deutschen Raum gibt sich EIKE – Das Europäische Institut für Klima und Energie – klingt das nicht toll? Institut, das hört sich an, als würde dort Forschung betrieben. Wo sitzt dieses EIKE-Institut, kann man es besuchen? Fehlanzeige. Das Institut existiert als Internetseite und als ein Postfach in Jena, das regelmäßig vom dortigen CDU-Lokalpolitiker Holger Thuss geleert wird. Thuss ist Präsident des EIKE und betreibt nebenbei auch die Europäische Zweigstelle von CFACT, eines klimaskeptischen Netzwerks, dass jährlich mit mehreren hunderttausend Dollar vom US-Ölkonzern Exxon subventioniert wird.
EIKE selbst bekomme kein Geld von der Industrie, was sich aber nicht nachprüfen lässt, da der private Think Tank seine Finanzen nicht offen legen muss und das auch nicht tut. Immerhin sind auf der Website die Köpfe aufgeführt, die EIKE mittragen.
EIKE hat auch einen Fachbeirat, der vorwiegend aus pensionierten Physikern und Ingenieuren besteht, man kann das Institut somit zu Recht als Hobby-Lobby bezeichnen. Immerhin: Es tauchen in der Liste des Fachbeirats auch Klimaforscher auf, bei einem steht in Klammern dahinter: Verstorben. Ansonsten gilt: Kein Beweis und kaum eine Behauptung der Klimaskeptiker von Eike hält einer Nachprüfung stand. Zum großen Teil stürzen sie sich auf Rest-Unsicherheiten in der Forschung, die es tatsächlich gibt oder arbeiten mit Diffamierungen einzelner Wissenschaftler.
Die Ich sag’s offen: Als Wissenschafts-Journalist bekommt man mit der Zeit ein Gespür, wie man seriöse von unseriösen Quellen unterscheiden kann, und ein solches Auftreten ist mehr als dubios. Aber es gibt noch weitere Klimaskeptiker-Grüppchen: Die Achse des Guten, auch keine Experten, sondern eine Journalistenverbindung, die ihr Geld damit verdient, dass sie gegen alles antritt, was irgendwie nach Gutmenschentum klingt. Dazu gehören nach ihrer Lesart vor allem Islam-Versteher und Klimaschützer – also sind sie gegen beides, aus Prinzip. Der Klimawandel findet gar nicht statt, und selbst wenn er stattfindet, ist der Mensch nicht dran schuld, und selbst wenn er dran schuld ist, was ist an einer Erwärmung so schlimm? Das ist die Rückzugskette des typischen Klimaskeptikers. Für ihn sind Klimaforscher politisch gesteuerte Katastrophenprediger.
Sicherlich haben die Klimaforscher zu manchem Klischee auch selbst beigetragen, aber auch die Medien tragen eine Mitschuld. Da fragte vor einiger Zeit ein Fernseh-Reporter einen Klimaforscher: Was sind die pessimistischsten Szenarien, die schlimmsten erwartbaren Folgen des Klimawandels. Der Wissenschaftler gibt pflichtbewusst eine entsprechende Antwort. Diese Antwort wird daraufhin im fertigen Film aus dem Kontext gerissen. Heraus kommt: Ein Klimaforscher, der, so der Tenor des Beitrags: völlig überzogene Horrorszenarien malt. Dass der Forscher just darum gebeten wurde, verschweigt der ach so kritische Reporter.
Also, liebe Klimaskeptiker, ihr dürft mir gerne weiterhin wütende Briefe schreiben, aber wenn Ihr nichts von mir hören solltet, betrachtet diesen Kommentar als Antwort!
Gabor Paal
Letzte Änderung am: 29.11.2010, 13.34 Uhr