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Die Herbstsaison der internationalen Kunstmessen hat begonnen. In Berlin lief Anfang September die Messe „abc“ (art berlin contemporary). Im Oktober folgen dann die Londoner Frieze Art Fair und die FIAC in Paris, danach versucht im November die „Cologne Fine Art & Antiques“ internationale Kunstsammler anzulocken, und Anfang Dezember steigt dann wieder im amerikanischen Florida die glamouröse „Art Basel Miami Beach“. Aber nicht jeder kann oder will zum Kunstkaufen um die Welt jetten. Und so versuchen sich die Galerien mehr und mehr auch im virtuellen Kunstverkauf – im Internet.

Natürlich gibt es auch auf Ebay Kunst zu kaufen – beziehungsweise Waren, die Kunst genannt werden: meist mehr oder minder gelungene Produkte namenloser Hobbymaler oder aber schlecht gemachte Fälschungen von Werken namhafter Künstler. Wie zum Beispiel – gestern auf Ebay gesehen - ein – so heißt es da neben einem unscharfen Foto - "Gerhard Richter, original handsigniert, gerahmt" für 18 Euro 50. Also höchstwahrscheinlich nichts für ernsthafte Kunstsammler.
Aber auch seriöse Angebote für den Kunstkauf im Netz haben so ihre Tücken. Im vergangenen Januar veranstalteten die weltweit wichtigsten Galerien mit großem Trara die erste Internet-Kunstmesse, die "VIP Art Fair". Doch das Ereignis scheiterte schlicht aber grandios an der Technik. "41 000 Besucher aus aller Welt" meldet die Website zwar rückblickend. Viele Kunst-Kauflustige aber, die sich in den virtuellen Messekojen auch nur umzuschauen wollten, kamen gar nicht so weit. Nach Millionen Klicks war der virtuelle Kunstmarkt technisch quasi zusammen gebrochen. Eine zweite Online-Kunstmesse ist bisher nicht angekündigt.
Aber es gibt immer wieder neue, andere Versuche, das Netz für den Handel mit der Kunst zu nutzen. Vielversprechend ist da zum Beispiel das Portal "The Spotlist". Seit dem Sommer gibt es dort ein relativ weit gefächertes, aber überschaubares Angebot von Gegenwartskunst aus den letzten 30 Jahren. Von A wie Artschwager, Richard bis Z wie Zobernig, Heimo verzeichnet die "Spotlist" viele renommierte Künstler und Kunst, die sich sehen lassen kann – zu vergleichsweise niedrigen Preisen. Die mit Abstand teuerste Arbeit auf der Seite ist ein Fotoprint von John Baldessari für 27 000 Euro, die günstigste eine Edition von Isa Genzken für 250 Euro.
Die meisten liegen aber irgendwo dazwischen und können wie im Online-Handel üblich direkt per Mausklick in den virtuellen Einkaufswagen befördert werden: Für 8000 Euro gibt es zum Beispiel eine Plastik von dem österreichischen Künstler Franz West, für 1900 eine von Tobias Rehberger gestaltete Tapete und für eine Mappe mit drei Silber-Siebdrucken von Katharina Sieverding sind 7 200 Euro fällig. Die Arbeiten stammen aus etablierten deutschen Galerien wie Christian Nagel in Köln, Bärbel Grässlin in Frankfurt oder Sprüth Magers in Berlin.
Gegründet wurde der Internetshop von Florian Baron, einem Hamburger Kunstvermittler und – so steht es auf der Website – "begeisterten und jungen Sammler". Als solcher sei er angesichts hoher Marktpreise häufig verzweifelt gewesen. So entstand die Idee zu der Online-"Spotlist", die "hoffentlich die Verzweiflung etwas lindert", wie es auf der Website heißt. Ob Kunstkunden aber tatsächlich ohne Gespräch mit Galeristen und vor allem ohne die Kunst "in echt" gesehen zu haben, im Internet shoppen werden ist fraglich. In jedem Fall jedoch bedeutet "The Spotlist", verglichen mit früheren Online-Kunstmarktplätzen, eine echte Qualitätssteigerung. Möglicherweise liegt die Zukunft des Kunsthandels tatsächlich im Internet – oder wenigstens die Zukunft der Verzweiflungslinderung für Kunstkäufer.
Kathrin Hondl
Letzte Änderung am: 13.09.2011, 17.20 Uhr