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SENDETERMIN Mi, 15.2.2017 | 23:03 Uhr | SWR2

SWR2 JetztMusik ECLAT 2017 - Nemtsov, Mendoza, Iannotta

Sarah Nemtsov: "OR.Towards"
für 6 Sänger, 6 Instrumente, Objekte und Licht (2016)

Elena Mendoza: "Découpé"
für Akkordeon solo (2016)
Uraufführung

Clara Iannotta: smudged – a carbon copy
für 5 Sänger und Licht (2016)
Uraufführung

Stefan Hussong (Akkordeon)
Neue Vocalsolisten
ascolta

(Konzert vom 2. Februar 2017 im Theaterhaus Stuttgart)

Sarah Nemtsov: "OR.Towards"

Die gesungenen Worte sind (fast) zufällig dem Wörterbuch entnommen. Die Worte sind Material für die Sänger, Klangmaterial, aber kreieren auch einen Raum für lose Assoziationen. Die Musiker bilden drei Gruppen: Stimmen, Schlagzeugtrio, präpariertes Klavier mit (präpariertem) Cello. Alle drei Gruppen sind verbunden und miteinander verwoben, dennoch steht jede auch für sich. Das Schlagzeugtrio ist sehr vertikal gedacht, manche der Schlaginstrumente wie spielt auf den Tasten, während ein weiterer Musiker im Flügel (inside-piano) agiert, die Klänge des Pianisten verfremdet, stört oder ergänzt. Das Cello gibt seltsame Resonanzen. Das Klavier ist quasi das Zentrum der Komposition, der Nukleus. Man könnte sagen, wenn das Klavier Solarplexus ist, sind die Sänger Atem und Herz und das Schlagzeug Knochen. Oder (or) die Sänger sind Luft und Licht, dann ist das Klavier Erde und Wasser, das Schlagzeug Steine, Feuer und Asche... oder… Die Musik entsteht zwischen den Polen: vertikale Impulse, horizontale Zeit, gebrochene und anknüpfende Linien, Abgründe, Helles auch, Kreise und Spiralen in Licht und Klang. Verloren gehen und einen Puls finden. Oder einzelne Lichtstrahlen. (Sarah Nemtsov)

Elena Mendoza: "Découpé"

Découpé für Akkordeon solo ist für Stefan Hussong geschrieben und ihm gewidmet. Der Titel bezieht sich auf eine Technik der dadaistischen Literatur: Ein Text wird ausgeschnitten und die Fragmente werden neu kombiniert, um einen anderen Text zu kreieren, so dass sich neue poetische und meistens absurde Zusammenhänge ergeben. Analog dazu werden in dieser Komposition Ausschnitte fiktiver Stücke aneinandergereiht und immer wieder anders angeordnet. Zusammenhänge entstehen und verschwinden in rasender Geschwindigkeit und der Grat zwischen Kontinuität und Diskontinuität, zwischen Wiederholung und Variation wird immer wieder aufs Neue begangen. Die Materialien sind divers – die Fragmente der imaginären Stücke, auch wenn sie mit zeitgenössischen Spieltechniken bearbeitet sind, enthalten Reminiszenzen an verschiedene Akkordeontraditionen wie die französische Volksmusik und den Jazz und bergen somit eine Auseinandersetzung mit der Gesamtgeschichte des Instruments, das eng mit der Unterhaltungsmusik, dem Tanz und der Fiesta verbunden ist. (Elena Mendoza)

Clara Iannotta: smudged – a carbon copy

In den letzten 15 Jahren habe ich hybride Texturen komponiert, die aufgeladen waren von ineinander verschmolzenen Klängen. Dieses Projekt zeichnete sich insbesondere durch das Visuelle als flüssiges Element aus, das die unterschiedlichen Klangumgebungen miteinander verbunden hätte. Das Komponieren mit Schichten war bislang keine Option für mich, aber es wurde in diesem Stück notwendig. Zum ersten Mal in meinem Leben arbeitete ich daran, verschiedene Energien koexistieren zu lassen, und obwohl ich wahrscheinlich nicht die richtige Zeit wählte für so eine große Herausforderung (ich war schon spät dran…), hat das Stück mich gelehrt, das Negativ eines Fotos ins Original zu verwandeln. (Clara Iannotta)

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