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SENDETERMIN Mi, 2.11.2016 | 23:03 Uhr | SWR2

SWR2 JetztMusik | Dolby Digital 5.1 Donaueschinger Musiktage 2016 - Michael Wertmüller "DISCODRE"

Michael Wertmüller: "DISCORDE"
für Hammond-Orgel, E-Bass, Schlagzeug und Ensemble (Uraufführung)

Steamboat Switzerland
Klangforum Wien
Leitung: Titus Engel

(Konzert vom 15. Oktober im Mozart Saal der Donauhallen)

Herbordt / Mohren: "Die öffentliche Probe"
Installation (Stereo)

(Aufzeichnung aus der Alten Hofbibliothek Donaueschingen vom 14. - 16. Oktober)

Michael Wertmüller: "DISCORDE"

Titus Engel und ich haben schon einige Male mit Neue-Musik- Ensembles und mit Steamboat Switzerland gearbeitet, meiner Lieblingsband – „Lieblingsband“ nicht zuletzt deshalb, weil sie genau das spielen können, was ich selber mit einer Band nie spielen konnte, nie zustande gekriegt habe, weil das Ausgedachte zu komplex war, wir überfordert waren und uns einfach überschätzt hatten. Steamboat Switzerland ist abgesehen davon auch ganz anders als die klassischen Neue Musik-Formationen: Nach wie vor komplett zwischen Stuhl und Bank, nicht Neue Musik, nicht Jazz, nicht Rock, nicht Hardcore und doch alles gleichzeitig, „Boulez on the rocks“ halt, wie sie trefflich umschrieben werden. Verschiedene musikalische Welten werden verschmolzen. Also kamen Engel und ich auf den Arbeitstitel „An Evening Of Real Class Struggle“. Um dies gleich vorauszuschicken: „Class Struggle“ klingt einfach gut! Natürlich können wir in diesem Kontext nicht von einem Klassenkampf im Marxschen Sinn sprechen, nicht von philosophischen oder revolutionären Ansätzen, sondern einfach von gegensätzlichen musikalischen Herangehensweisen, Denkarten, Vorlieben, Geschmäckern, Antagonismen …

Das Stück ist ein Triptychon geworden mit einem „in picture picture“, angeregt durch das Video des Stücks walk this way von Run DMC und Aerosmith. Die zwei Bands unterschiedlichen Stils haben ihre Proberäume nebeneinander, beide stören sich während des Übens gegenseitig, hauen und schlagen genervt die Wände ein, um zu merken, dass man eigentlich, legt man die beiden Musiken zusammen, etwas ganz Neues kreieren kann.

Herbordt / Mohren: "Die öffentliche Probe"

Eröffnet wird eine ganz neue Form der Kulturinstitution im ländlichen Raum zwischen internationalem Gästehaus, Museum, Theater und Akademie. Die Institution gibt es nicht. Sie ist fiktiv. Und doch wurde sie mit einer feierlichen Rede und zahlreichen Gesten eröffnet. Und doch hat ihre Nicht-Existenz in den letzten Jahren bereits ganz reale Auswirkungen gezeitigt. Die Institution erfährt ihre öffentliche Probe aufs Exempel. In einer Serie von Performances und Interventionen, die an ganz verschiedenen Orten stattfindet: einem leer stehenden Rathaus, einer ehemaligen Hofbibliothek und einem umgebauten Straßenbahndepot. Wie lässt sich eine Ahnung davon gewinnen, was es noch nicht gibt, was sich aber einrichten ließe?

Die öffentliche Probefügt der Auseinandersetzung des Künstler-Duos Herbordt/Mohren mit Institutionen, ihrer Kritik und ihrer Aktualisierung (Das Stück, 2012; Die Institution, 2013; Die Aufführung, 2013; Das Publikum, 2015; Das Theater, 2015) einen weiteren Meilenstein hinzu: die Beschäftigung mit Strukturen des Dörflichen und des Theatralen, mit Übergängen zwischen Bühne und Alltag, Bürgerinitiative und Kunst.

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