Sendung vom Montag, 30.1. | 23.03 Uhr | SWR2
Von Sabine Sanio

Das Ensemble Work in Progress Berlin performt Alvin Luciers "Heavier than air"
Die Idee musikalischer Expressivität ist in den letzten 200 Jahren immer neu variiert worden. Seit Werken wie Felix Mendelssohn Bartholdys Lieder ohne Worte erfreut sich die Vorstellung, Musik könne Gefühle unmittelbarer als die Sprache ausdrücken, großer Beliebtheit. Doch im 20. Jahrhundert dominieren Erfahrungen des Scheiterns von Verständigung. Die in der Musik artikulierten Gefühle, die Schönberg in die einzelnen Nervenimpulse zerlegt, werden rätselhaft. Adorno sieht daher im Rätselcharakter die grundlegende Eigenschaft der Musik. Schließlich löst sich sogar die Sprache in der dadaistischen Lautpoesie in unverständliche Elemente auf. Nach dem Ende dieser verschiedenen Prozesse der Auflösung und Zersetzung entstehen neue Kombinationen von Musik und Sprache. Dazu gehört insbesondere der Künstlerkommentar, Komponisten wie Alvin Lucier oder Wolfgang Müller nutzen ihn als Möglichkeit, das Rätsel der Musik offenzulegen und doch zu bewahren.
Letzte Änderung am: 19.12.2011, 15.15 Uhr