oder Ich hab die vier Herren gesehen, sie gingen zum Zug
Sendung vom Montag, 2.1. | 23.03 Uhr | SWR2
Hörstück von Georg Nussbaumer und Roland Quitt

Das Hörstück „Salon Q“ von Georg Nussbaumer und Roland Quitt ist Fortsetzung und abschließender Teil des Werkprojekts Salon Q, einer Arbeit für die Donaueschinger Musiktage 2010, in der sich Georg Nussbaumer mittels unterschiedlicher medialer Grundlagen mit Geschichte und sozialer Funktion der instrumentalen Gattung des Streichquartetts auseinandersetzte. Die dreitägige Performance-Installation, die sich dem Gegenstand auf optisch-akustische Weise näherte wurde über die Publikation eines umfänglichen Buches ergänzt, das sich dem Thema als Collage aus Bild und literarischem Textzitat stellt und auf jegliches klangliche Medium verzichtete.
Auf genau entgegengesetzte Weise verfährt nun das Hörstück. Dem Radio gemäß kann es nur eine rein „akustische Kunst“ sein, anders als sonstige Stücke Nussbaumers verzichtet es auf alle semiotischen Mittel des Visuellen. An die Stelle der unmittelbaren Präsenz des Sichtbaren treten sinnstiftend nun genauso unmittelbar Ausschnitte aus Gesprächen, die Nussbaumer und Quitt für dieses Hörspiel mit verschiedenen Partnern führten.

Ausgehend von den oft mit der menschlichen Anatomie übereinstimmenden Bezeichnungen für die Teile der Geige wurden 2 Geigenbauer, ein Arzt, eine Kulturwissenschaftlerin, ein Philosoph, ein Orchestermusiker, ein Komponist und Dirigent und eine Domina zu ihrem Verständnis dieser Begriffe bis zu der dem Streichquartett innewohnenden Utopie eines idealen und funktionierenden Miteinanders befragt. Die Stille, Räume, Kommunikationsformen und -schwierigkeiten, Gleichberechtigung und politische Entwürfe kommen in diesem Radiosalon ebenso zur Sprache wie das Holz des Geigenbaus, der Tod, die Vierheit und der Bratschenwitz.
Als weitere Ebenen der Gesamtkomposition fungieren Ausschnitte aus der für Donaueschingen komponierten 14-stündigen Streichquartett-Performance und eine Runde von vier Kartenspielern. Im Hintergrund spielen sie ein von Nussbaumer geschaffenes Kartenspiel, das „Quartett-Quartett“, das auf 32 Karten die Essenz aus ebensovielen Meisterwerken der Streichquartett-Literatur vereint.
Letzte Änderung am: 27.11.2011, 04.07 Uhr