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Der am 1. Februar 1963 in Gorizia geborene Fausto Romitelli machte sein Kompositionsdiplom am Konservatorium Giuseppe Verdi in Mailand und besuchte anschliessend weiterführende Lehrgänge an der Accademia Chigiana di Siena und der Scuola Civica in Mailand. 1991 zog er nach Paris, um die neuen Technologien in den Informatikkursen des Ircam kennenzulernen, wo er von 1993 bis 1995 auch als „compositeur en recherche“ arbeitete.

Fausto Romitelli
Obwohl er sich für die wichtigsten europäischen Musikerfahrungen interessierte (insbesondere für György Ligeti und Giacinto Scelsi), wurde er hauptsächlich von der französischen Spektralmusik beeinflusst, vor allem von Hugues Dufourt und Gérard Grisey, welchem er das zweite Stück des Zyklus Domeniche alla periferia dell’Impero (1995-96/2000) widmete. In EnTrance (1995-96) studiert er insbesondere die Stimme und verwendet eine Beschwörungsformel aus dem tibetischen Buch der Toten: Die daraus resultierende Musik ist extrem kompakt, mit einem hypnotischen und rituellen Drive, in dem der Klang, wie „Material, das geschmiedet wird“, mit einer Zuneigung zur Technik und zur Suche nach neuen akustischen Horizonten behandelt wird.
Romitelli betrieb seine eigene Forschungsarbeit auch ausserhalb der kultivierten Avantgarde, so dass seiner Musik auch eine expressive Komponente mit grosser Eloquenz und eine Klanggewalt von beträchtlicher formaler Komplexität eignet. Diese Qualitäten offenbaren sich in einer seiner typischsten Kompositionen, der Trilogie des Professor Bad Trip (1998-2000), basierend auf der Lektüre jener Werke, die Henri Michaux unter dem Einfluss halluzinatorischer Drogen verfasst hat. In dieser Komposition, die von seiner Vorliebe für das Deformierte und Künstliche zeugt, kombinierte Romitelli seine klanglichen Untersuchungen der Rockmusik mit der elektroakustischen Behandlung des Klangs und der instrumentalen Gesten. Wie in Blood on the floor, Painting 1986 (2000), wo der gewalttätige und destruktive Aspekt der Projektion von Realität auf Fiktion verstärkt wird, ist auch die Trilogie deutlich vom Werk Francis Bacons inspiriert, vorab von der Reihe der „Three Studies for Self-Portrait“ aus den siebziger Jahren.
Nach einer Reihe von Erfolgen bei verschiedenen internationalen Wettbewerben in Amsterdam, Frankfurt, Graz, Mailand, Stockholm und Siena (Erster Preis beim Casella-Wettbewerb 1989) wird Romitellis Musik regelmässig auf den internationalen Bühnen aufgeführt. Bei Festivals wie der Musica in Strassburg, dem Festival Présences von Radio France und der Ars Musica in Brüssel bis hin zu den Saisons von Ircam-InterContemporain, der Biennale Venedig und dem Festival Milano Musica wurden seine Werke von Ensembles und Orchestern wie Ictus, L’Itinéraire, Court-Circuit, InterContemporain, Musiques Nouvelles, ensemble recherche, Alter Ego, dem Nationalorchester der RAI und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin gespielt. Aufträge kamen von Institutionen wie dem Französischen Kulturministerium (Acid Dreams & Spanish Queens sowie Professor Bad Trip: Lesson II), Musiques Nouvelles (Professor Bad Trip: Lesson I), Ictus (Professor Bad Trip: Lesson III), la Musique et les Arts (Mediterraneo), Radio France (Cupio Dissolvi), Ircam (EnTrance), der Gulbenkian Stiftung (The Nameless City), Milano Musica (The Poppy in the Cloud), L’Itinéraire (Blood on the Floor, Painting 1986) und der Royaumont Stiftung (Lost und An Index of Metals).
Eine schwere Krankheit beendete das Leben des 41-jährigen Fausto Romitelli am 27. Juni 2004 in Mailand.
Letzte Änderung am: 28.01.2008, 15.11 Uhr