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Biografie Luigi Nono

wurde am 29. Januar 1924 in Venedig geboren und starb dort am 8. Mai 1990. Kompositionsunterricht erhielt er nach dem Abitur - während er an der Universität Padua Jura studierte - durch Gian Francesco Malipiero, später auch bei Bruno Maderna und Hermann Scherchen.

In den fünfziger Jahren prägte Nono zusammen mit Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen maßgeblich das Bild der Darmstädter Ferienkurse; 1959 brach er durch seinen kritischen Vortrag Geschichte und Gegenwart in der Musik von heute mit der sogenannten "Darmstädter Schule". Die in Darmstadt derzeit populären seriellen Kompositionsverfahren fanden gleichwohl Eingang in Nonos Musik (etwa in Canto sospeso, 1955/56, oder Diario Polacco '58, 1959); einen mindestens ebensogroßen Einfluß aber hatten Nonos Studien der niederländischen Vokalpolyphonie auf seine Kompositionstechnik.

Spätestens mit dem ersten Bühnenstück, Intolleranza 1960 -einer "szenischen Aktion" um unmenschliche Arbeitsbedingungen, Fremdenfeindlichkeit und Klassenkampf, das bei seiner Uraufführung anläßlich der Biennale in Venedig 1961 für Aufruhr sorgte - wird Nonos politisches Engagement deutlich. In den sechziger und siebziger Jahren thematisiert Nono in seinen Kompositionen den Vietnamkrieg, den chilenischen Befreiungskampf, die Pariser Studentenunruhen, Verbrechen des deutschen Nationalsozialismus und die Situation von Fabrikarbeitern. Musik gilt ihm "als ein Mittel, um eine historische Situation, eine Realität kennenzulernen, oder, vom Standpunkt des Künstlers aus, um von einer Realität Kenntnis zu geben." Zu den kompositorischen Mitteln tritt als wichtiges Element die Elektronik - zunächst in Tonbandkompositionen, später als Live-Elektronik.

Die enge Zusammenarbeit mit dem Philosophen Massimo Cacciari in Venedig und dem Experimentalstudio der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks in Freiburg, sowie mit verschiedenen Vokal- und Instrumentalsolisten bestimmen die letzten zehn Jahre in Nonos Komponieren. Die von dynamischen Extremen, langen Zeitspannen und Pausen getragene Musik berührt die Grenze zwischen Klang und Stille, zwischen Hörbarem und Unhörbarem - "Tragödie des Hörens" ist der Untertitel der zentralen Komposition dieses Jahrzehnts, Prometeo (1984/85). Das Verschwinden plakativer politischer Intentionen aus den Titeln, Widmungen und Texten der späten Kompositionen Nonos führte zu einer verstärkten Rezeption seiner Musik - auch dort, wo sie lange Zeit aus ideologischen Motiven immer wieder auf Hindernisse gestoßen war.

Letzte Änderung am: 24.11.2006, 14.31 Uhr

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