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Biografie György Kurtág

György Kurtág; Quelle: SWR

György Kurtág

wurde am 19. Februar 1926 in Lugos (rumänisch Lugoj) im Banat geboren, in einem Gebiet, das nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, im Friedensabkommen von Trianon, an Rumänien fiel. Ab 1940 nahm Kurtág Klavierunterricht bei Magda Kardos und studierte Komposition bei Max Eisikovits in Temesvár (Timisoara). Anfang September 1945 machte er sich auf den Weg nach Budapest, in der Hoffnung, an der Franz-Liszt-Musikakademie bei Béla Bartók studieren zu können. Mit dem gleichen Ziel der Aufnahmeprüfung kam der drei Jahre ältere Ligeti. Die bis zum heutigen Tage andauernde Freundschaft der beiden Komponisten nahm ihren Anfang in den Korridoren der Akademie, wo sie die erschütternde Nachricht vom Tod Bartóks erreichte. Ab 1946 studierte Kurtág Klavier bei Pál Kadosa, Komposition bei Sándor Veress und Ferenc Farkas und Kammermusik bei Leó Weiner. 1948 wurde er ungarischer Staatsbürger, 1951 erwarb er sein Diplom in Klavier und Kammermusik, vier Jahre später schloß er seine Kompositionsstudien ab.

1957/58 brachte einen wichtigen Einschnitt, als Kurtág in Paris mit der ungarischen Psychologin Marianne Stein arbeitete und Kurse bei Olivier Messiaen und Darius Milhaud besuchte. Die Begegnung mit der Musik Anton Weberns, dessen Partituren er für sich kopierte, mit Stücken Samuel Becketts, mit französischer Architektur (wie der Kathedrale von Chartres) und Natur haben mit dazu beigetragen, dass Kurtágs musikalisches Denken eine tiefgreifende Änderung erfuhr, deren erstes Ergebnis das nach seiner Rückkehr nach Budapest 1959 entstandene Streichquartett op.1 war. 1960 bis 1968 arbeitete er als Solisten-Repetitor der National-Philharmonie in Budapest, 1967 wurde er als Professor für Klavier, später auch für Kammermusik an die Franz-Liszt-Musikakademie berufen, eine Tätigkeit, die er bis 1986 ausübte. 1971 war Kurtág Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Berlin. Seit 1987 ist er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München, und der Akademie der Künste, Berlin.

Bis zu seinem opus 33, dem Claudio Abbado und den Berliner Philharmonikern gewidmeten Orchesterwerk "Stele", das während seines zweijährigen Berliner Aufenthaltes als Composer-in-residence des Orchesters 1993/95 entstanden ist, komponierte Kurtág - außer a cappella Chorwerken - Kammermusik, von Solostücken bis zu Werken zunächst für kleinere, dann immer größere Ensembles. Die "Botschaften des verstorbenen Fräuleins R.V.Troussova", op. 17 (UA am 14.1.1981 in Paris) für Sopran und Kammerensemble machten seinen Namen international bekannt. "...quasi una fantasia...", op. 27, Nr. 1 für Klavier und Instrumentengruppen, entstanden für eine ihm gewidmete Konzertreihe im Rahmen der Berliner Festwochen im Oktober 1988, war das erste Werk, in dem er seine seit langem gehegten Vorstellungen von einer den Hörer räumlich umfangenden Musik verwirklichen konnte. Es folgten mehrere Kompositionen, die dem Raum gleichfalls eine wichtige Rolle zuweisen. Die Stimme, die lange Jahre eine zentrale Stelle in Kurtágs Schaffen einnahm, wurde in diesen Werken durch Instrumente ersetzt.

György Kurtág gilt heute neben György Ligeti als der bedeutendste ungarische Komponist nach 1945. Die Musik Kurtágs ist geprägt von einer ähnlichen Verdichtung musikalischer Texturen, wie es für die Musik von Anton Webern kennzeichnend ist. Aber anders als bei Webern ist Kurtágs Sprache dabei spielerischer und assoziativer. Dennoch ist sie in ihrer oftmals radikalen Beschränkung und Konzentration durchdrungen von Erkenntnis und Vergeistigung, die bei Kurtág mit einem hohen Grad an Selbstzweifel und einer überaus selbstkritischen Haltung einher gehen. Bemerkenswert sind diverse, mehr oder weniger versteckte und verschlüsselte Verweise in seinen Werken, so etwa mit den Opuszahlen oder Titeln, beispielsweise mit op. 27 "…quasi una fantasia …" an Beethoven oder mit op. 28 "Officium breve" an Weberns Streichquartett mit gleicher Opuszahl. Zudem gibt es kompositorische Anspielungen in den zahllosen Widmungsstücken des "Work in progress" "Játékok". So scheint jede Note von Kurtág den Geist der Tradition zu atmen und ist doch in jedem Moment aufregend neu und unverwechselbar einmalig.

Letzte Änderung am: 24.11.2006, 14.30 Uhr

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