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wurde 1927 in der Nähe von Verona geboren. Nach einer Berufsausbildung als Buchhalter studierte er von 1946 - 1951 in Mailand und Bologna Komposition; anschließend besuchte er die Meisterklasse Ildebrando Pizzettis an der römischen Accademia di Santa Cecilia und schloß seine Studien 1953 mit einem weiteren Diplom ab.
Wesentliche Einflüsse erhielt er von Goffredo Petrassi und von Bruno Maderna. Seit 1953 unterrichtete er Harmonielehre und Kontrapunkt, zunächst am Bologneser, dann am Mailänder Konservatorium; 1967 erhielt er eine Kompositionsprofessur am Konservatorium Turins und kehrte zwei Jahre später in gleicher Position nach Mailand zurück; schließlich wurde ihm 1978 in der Nachfolge Petrassis die Meisterklasse (Corso di perfezionamento) an der Accademia die Santa Cecilia anvertraut. Darüber hinaus konnte er in zahlreichen Kursen und Seminaren an in- und ausländischen Institutionen (u.a. an der sienesischen Accademia Chigiana, wo er seit 1970 Meisterkurse hielt) seine pädagogischen Fähigkeiten zur Geltung.
Eine neurotische Veranlagung führte Donatoni immer wieder in schwere Krisen, die seine Schaffenskraft bisweilen über längere Zeit zum Erlahmen brachten. Mehrmals begab er sich in pschoanalytische sowie neurologische Behandlung und fand erst in den 80er-Jahren zu einem psychischen Gleichgewicht. Die dramatischen Ereignisse seines Lebens - so drückte er es einmal aus - hätten sich stets im Innern abgespielt.
Die Gesamtentwicklung der Musik Donatonis ist durch ständige Neubestimmung des Verhältnisses Subjekt-Objekt charakterisiert. Wurde bis etwa 1960 das Subjekt zum sachlichen Handwerker auf der Suche nach einer rationalen Anordnung des Materials reduziert, so zog es sich später eine Zeitlang zurück im Glauben, die Darstellung einer unbestimmten Klangmaterie sei das beste Zeugnis für die Ohnmacht künstlerischer und sozialer Subjektivität. Von "Souvenir für Orchester (1967)" an, das 363 Fragmente aus Stockhausens Gruppen variiert und montiert, hörte Donatoni auf, eigene Musik zu komponieren. Er betrachtete sich nicht mehr als Erfinder neuer Formen, als Vermittler emotionaler Inhalte, sondern lediglich als Bearbeiter vorgegebener Materialien.
Das Vorbild Donatonis war und bleibt Béla Bartók: vor allem die Vorstellung eines organischen Wachstums (nicht Entwicklung) aus einer exponierten Zelle - wie es z.B. im ersten Satz von Bartóks IV. Streichquartett zu beobachten ist - beeinflußt noch heute die Arbeitsweise Donatonis. In der Übernahme dieses Verfahrens geht Donatoni noch einen Schritt weiter als Bartók in der Diskontinuität des zeitlichen Verlaufs: es handelt sich nie um eine Evolution, die eine zielgerichtete zeitlichkeit suggerieren könnte, sondern um bislweilen abrupte Mutationen von Organismen, deren Wesen durch das Fortbestehen eigener Gesten doch erkennbar bleibt. Dadurch berührt Donatoni eine der zentralen Fragen, die serielle und postserielle Musik heutigem Komponieren offengelassen haben: die einer logischen Zeitgestaltung, ohne daß damit der lineare Zeitverlauf wiederhergestellt wird.
Letzte Änderung am: 24.11.2006, 14.30 Uhr