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Anhand der Chorwerke Bruckners, die das SWR Vokalensemble Stuttgart nun auf SACD aufgenommen hat, lässt sich nachvollziehen, dass die Kirchenmusik für Bruckner nicht nur Ausgangspunkt seiner kompositorischen Entwicklung war, sondern auch einen geschützten Raum für ihn darstellte. Hier konnte er unangefochten jene kompositorischen Mittel einsetzen, mit denen er in seiner Sinfonik so oft heftige Kontroversen auslöste, sei es nun die Dramaturgie der Klangräume, seien es die ebenso berühmten wie berüchtigten Längen im polyphonen Satz oder die ausgeprägte Farbigkeit seiner Harmonik.
So lässt sich an den frühen, hier aufgenommen Werken, wie dem wenig bekannten Afferentur, dem Pange lingua oder dem berühmten siebenstimmigen Ave Maria ablesen, dass Bruckner sich hier noch stark an den großen Vorbildern Palestrina oder Gabrieli orientiert.
Die Bläsermesse e-moll, die zu den ersten großformatigen Werken Bruckners gehört, basiert ebenfalls auf einer großen Vielfalt musikalischer Vorbilder, die deutlich hörbar darin anklingen. Bruckners Leistung liegt darin, dass er die innovativen, für ihre Zeit neuen kompositorischen Gestaltungsmittel nutzt, um besagte Stilvielfalt zu einem einheitlichen und unzweifelhaft eigenständigen Ganzen zu formen. Die großen Motetten seiner kompositorischen Reifezeit schließlich, die auf dieser SACD ebenfalls vertreten sind, beweisen, dass Bruckner die Musik der Vergangenheit und die seiner Zeitgenossen als selbstverständliches "Instrumentarium" in ganz eigener Manier nutzt, um seine Ideen zum Ausdruck zu bringen.
01 Os justi
02 Virga Jesse
03 Locus iste
04 Afferentur regi
05 Ave Maria
06 Christus factus est
07 Kyrie
08 Gloria
09 Credo
10 Sanctus
11 Benedictus
12 Agnus Dei
13 Pange lingua
Letzte Änderung am: 09.02.2009, 18.11 Uhr