Sandeep Bhagwati: "Limits and Reneawls"
Sendung vom Mittwoch, 7.3. | 23.03 Uhr | SWR2
für 6 Stimmen und Orchester (Uraufführung)
Neue Vocalsolisten Stuttgart
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Matthias Pintscher
(Konzert vom 10. Februar im Theaterhaus Stuttgart)
Wie enden Werke, die in einem langen Zeitraum komponiert worden sind? In Sandeep Bhagwatis Trias mit dem Titel "Apparitions" als Spiel mit Transzendentem und Unwirklichem. Genauer gesagt: mit dem Abschnitt aus dem metaphysikkritischen Gedicht "Angel surrounded by paysans" des amerikanischen Lyrikers Wallace Stevens – in der von Bhagwati initiierten Neuübersetzung ins Lateinische durch Wilfried Stroh – greifen die sechs im Orchester integrierten Vokalstimmen folgende Passage heraus: "Und doch bin ich der notwendige Engel der Erde / Denn durch meinen Blick seht Ihr die Erde wieder / Befreit von ihrer steif und sturen menschelnden Kulisse / Und durch mein Lauschen – hört ihr tragisches Dröhnen" und deklamieren diese in nahezu gleicher homophonischer Gestalt. Wie schon im ganzen Teil von "Apparitions" sprechen die Vokalstimmen mit den Orchesterstimmen. Ein Hin und Her, ein Ein- und Ausblenden, ein Verschmelzen und Verglühen, ein Verkohlen und Kristallisieren. Die zunächst transparent und polyphon angelegten Vokalpartien werden immer fester und homogener, bis sie schließlich in dieses archaische Gefilde gelangen, wo das Orchester sie mit seinen clusterartigen Klangwolken einfärbt. Kompositionen, deren Abschlüsse, deren Finalisierungen vorausahnbar werden, sind meist mit dem Prädikat des Besonderen belobt. Denn wenn es der Komposition gelingt, dank eines sich dramatisch oder dramaturgisch dem Ende zuneigenden Ausblendens, Aushauchens oder eines codaartigen fulminanten Abbruchs Finalkonsequenz zu imaginieren, dann erlöst das Werk auch den Hörer von jenen einzigartigen Zeiteinspannungstorturen. Mit einem strukturierten Schluss wird der Hörer aus seiner Hörgefangenschaft entlassen.
Letzte Änderung am: 01.02.2012, 12.20 Uhr