Navigation

Volltextsuche

SWR2 bei facebook SWR2 bei Twitter SWR2 bei YouTube SWR2-App SWR2 bei Facebook, Twitter und YouTube und als App

Sendungen A-Z

Radio im SWR

SWR2 JetztMusik ECLAT / Festival für Neue Musik Stuttgart

Tanztheater Platzregen (2)

Sendung vom Montag, 5.3. | 23.03 Uhr | SWR2

Eine Entfernung zu Peter Handke mit Musik von

Alvaro Carlevaro: Unbemalte Bilder
in 14 Szenen für 28 Stimmen (Uraufführung der Tanzversion)

Konzeption: Fabian Chyle & Hans-Peter Jahn
Choreographie/ Regie: Fabian Chyle
SWR Vokalensemble Stuttgart (über Zuspiel)
Leitung: Kaspars Putnins
Bühne/Grafik: Adrian Silvestri
Lichtdesign: Doris Schopf
Tontechnik und Klangregie: Digital Masters Stuttgart
(Konzert vom 11. Februar im Theaterhaus Stuttgart)

Peter Handkes wortloses Theaterstück "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" ist die strukturelle Vorlage der Choreographie und der Komposition, also sowohl von "Platzregen" als auch von "Unbemalte Bilder". Die Bewegungsarten unterschiedlicher Typen und einzelgängerischer Eskapaden, die Ansammlungen von Situationen, die zwischen Menschen auf einem Platz passieren, haben Fabian Chyle und damit in Folge Alvaro Carlevaro inspiriert, aus dem Wortarchiv dieses Regieanweisungsbuches Material abzuleiten, das für Bewegung und Klang konstitutiv und eigentypisch, also sinnvoll ist.

Im Prozess der Findung eines gemeinsamen „Tons“ fand zugleich auch eine Entfernung statt zur Theatervorlage, aber Programm auch eine Entfernung und Trennung von Tanz und Musik. In "Platzregen" verwandelt sich im Gegensatz zu Handkes Theaterstück irgendwann auch der Platz infolge eines Ereignisses. Der Ort wird zu einem anderen Ort, der Platz zu einem umgestalteten Platz. Die sieben sich zunächst auf diesem Platz mehr oder weniger häuslich einrichtenden Personen, die unterschiedlicher Bewegungsarten mächtig sind – aber auch der Sprache, dem Sprechen und auch dem emphatischen Geräuscharsenal vertrauen, das bei emotionaler Explosion sich entfacht – , individualisieren sich, grenzen sich ab, bauen Verhältnisse auf oder prostituieren ihren Charakter. Nach einem wie auch immer gearteten katastrophischen Moment herrscht die Ausnahmesituation, und diese beherrscht alles Folgende. Obschon sich die insgesamt 14 Szenen auch als narrative Geschichte deuten lassen können, wenn man dem Choreographischen eindeutige und deutbare Situationen unterstellt, bleibt die Musik hingegen konsequent treu ihrem eigenen Prinzip: Szene auf Szene sind dramaturgisch vielgestaltig aufgeladen, die Musik jedoch spricht ihren immer gleichen, extrem differenzierten Ton.

Wenn man so will, ist die Musik die Luft zum Atmen, das Atmosphärische der gegenwartsnahen Vielschichtigkeit, die umhüllende Aura in einer hoch brisanten Szenerie. Dieses Flüstern-Sprechen-Hauchen-Surren-Trillern-Flirren-Tremolieren ist Naturlaut, Alltagsgeräusch und Gefahr, ist menschliche Ausdrucksdifferenz und obszönes Aperçu, sobald es mit den Bedingungen der Tanzwelt konfrontiert wird. Die sphärischen Momente der Musik, von denen es reichlich viele gibt, beschwören den Innenraum der Figuren und zugleich das, was im Film die Musik gleichfalls leistet, die unerhörte, oft unwahrgenommene Dramatisierung der szenischen Ereignisse.

Platzregen ist der vierte Teil des Handke-Zyklus, den Fabian Chyle in Kooperation mit dem SWR in unterschiedlichen Ausgestaltungen choreographiert hat. Dieses sogenannte "Projekt H" beschäftigt sich 2009 bis 2012 mit Peter Handke in vier Stufen: "Ich nicht Ich" (2009), "Grenzland H" (2010), "Schaulaufen" (2010) und "Platzregen" (2011/12). Fabian Chyle hat bei dieser Arbeit zusammen mit Komponisten und Interpreten der Neuen Musik zentrale Positionen, Sprachstil und Strukturen des Autors Handke in tänzerische und musikalische Aktion umgesetzt: Der Mensch zwischen Fremd- und Selbstbestimmung: Fragen der Identität / Sprache und Wirklichkeit / Gesellschaftliche Machtausübung / Raum und Landschaft / Wandlung und Selbstwerdung. Projekt H ermöglicht auch neue Blickweisen auf die Konvention des Tanz/Musiktheaters.

Letzte Änderung am: 29.01.2012, 07.11 Uhr

Sendezeiten Montag und Mittwoch 23.03 bis 24 Uhr

Donaueschinger Musiktage Banner 2012 Festival für Neue Musik Donaueschinger Musiktage

Mehr zu den Uraufführungen sowie aktuelle Berichte, Bilder und Videos [mehr zu: Donaueschinger Musiktage]

Rückschau: 7 Tage online hören JetztMusik Features und Konzertmitschnitte zum Nachhören

Die JetztMusik-Sendungen am Montagabend sind ab 13 Uhr des jeweiligen Sendetages für eine Woche online zu hören. Ausgewählte Konzertmitschnitte am Mittwochabend sind ebenfalls ab 13 Uhr des jeweiligen Sendetages für eine Woche online abrufbar. [mehr zu: JetztMusik Features und Konzertmitschnitte zum Nachhören]

Headset Ihre Meinung zu SWR2

Anregungen, Lob, Kritik - hier können Sie sich zu unserem Programm äußern. [mehr zu: Ihre Meinung zu SWR2]

SWR RadioRecorder Service | SWR RadioRecorder SWR2 mitschneiden

So verpassen Sie nie wieder eine SWR2-Sendung: Einfach mitschneiden mit dem SWR RadioRecorder! [mehr zu: SWR2 mitschneiden]