im Gespräch mit Frank Wahlig
Sendung vom Samstag, 22.10.2011 | 18.30 Uhr | SWRinfo
Arnold: Verteidigungsminister de Maizière gefährdet mit der Bundeswehr-Reform den Grundkonsens zwischen Regierung und Opposition - „Es wäre gut, wenn der Minister sagen würde: Wir haben uns geirrt!“

„Die Reform der Bundeswehr ist zum ersten Mal in der Geschichte der vielen Reformen fiskalisch begründet und nicht sicherheitspolitisch!“
So lautet die grundlegende Kritik des SPD- Verteidigungspolitikers Rainer Arnold im SWR-Interview der Woche.
Für Arnold gibt es durchaus sinnvolle Veränderungen, zum Beispiel die Straffung der bürokratischen und militärischen Strukturen.
Verantwortungen aber könnten klarer als bisher definiert werden. Hier stehe die SPD an der Seite von Verteidigungsminister de Maizière.
Die Beschaffungsprozesse bei der Bundeswehr seien viel zu kompliziert und zeitaufwendig. Bei den militärischen Strukturen hält Rainer Arnold es für „vernünftig, militärische Ebenen auszudünnen.“ Die Bundeswehr sei zu stabslastig, hier gebe es Effizienzreserven.
de Maizière gefährde den Grundkonsens zwischen Regierung und SPD in der Verteidigungspolitik, sagt der verteidigungspolitische Sprecher der SPD.
Bei der Reform habe der Minister die Opposition nicht eingebunden und nicht informiert. Der Verteidigungsminister rede über „Einbeziehen, aber in Wirklichkeit versteht er darunter: Er verkündet Entscheidungen!“ Für Arnold wird die Bundeswehr-Reform von oben nach unten durchgezogen und zwar nach rein politischen und fiskalischen Vorgaben.
Außerdem wird nach Ansicht von Arnold das von Minister de Maizière angepeilte Sparziel nicht eingehalten werden. Arnold fordert die Bundesregierung auf, „sich ehrlich zu machen“ und von angenommenen Sparzielen zu verabschieden.
Die Regierung betreibe „Verschiebe-Bahnhöfe“ und finanziere bestimmte Kosten der Bundeswehr aus anderen Etats. Der Umbau der Bürokratie und der Streitkräfte werde erst einmal mehr Geld kosten. Arnold bilanziert: „Es wäre gut, wenn der Minister sagen würde: Wir haben uns geirrt.“

Das Interview führte Frank Wahlig
Letzte Änderung am: 21.10.2011, 11.28 Uhr