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SWR2 Impuls Reihe Psychologie für den Alltag

Müssen Schulkinder zu früh aufstehen? Haben gestillte Kinder in ihrem späteren Leben weniger Stress? Schützen gemeinsame Mahlzeiten in der Familie vor Essstörungen? Wie entsteht ein Burnout und welche persönlichen Strategien helfen am besten dagegen? In der 10-teiligen Reihe "Psychologie für den Alltag" gibt Ulfried Geuter wichtige Anregungen.

Gruppentherapie

Sendungen im Überblick:

Mo., 24.10. Schulanfang zu früh

Die Ferien vorbei, draußen ist es trüb und um viertel nach sechs klingelt der Wecker. Kinder müssen früher in der Schule sein, als mancher Arbeitnehmer im Büro. Doch gerade Kinder sollten aufgrund ihrer inneren Uhr morgens etwas länger schlafen können. Denn Untersuchungen zufolge haben müde Kinder fast fünfmal so häufig emotionale Probleme - Müdigkeit macht Probleme und Probleme machen müde.

Do., 27.10. Oxytocin

Oxytocin gilt als Bindungshormon. Beim Stillen, bei Wärme und bei Berührung steigt sein Spiegel an. Wenn Babys schreien, bekommt die Mutter einen Oxytocinstoss: ein hormonelles Signal, sich dem Kind zuzuwenden. Umarmen wir uns, erhalten wir eine Extra-Dosis. Die schwedische Physiologie-Professorin Kerstin Uvnäs-Moberg hat nachgewiesen, dass das Niveau der Oxytocin-Ausschüttung in der Kindheit für den Rest des Lebens programmiert wird.

Mo., 31.10. ADHS

Von der “Generation Ritalin” ist schon die Rede. Die Verschreibung dieses Medikamentes hat sich in Deutschland binnen zehn Jahren verdreissigfacht. 40 Prozent der ADHS-Kinder schlucken es. Auch Erwachsene können ADHS haben. Auch sie werden häufig mit Ritalin behandelt, obwohl das Medikament für ihre Behandlung offiziell noch nicht zugelassen ist. Ein Gewinner der Behandlung der Aufmerksamkeits-Defizits-Hyperaktivitäts-Störung steht damit fest: die Pharmaindustrie.

Mo., 7.11. Antidepressiva

Wenn die Tage grau werden, wächst die Melancholie. Bei ein wenig grauer Stimmung sagen wir heute oft: "Ich bin depressiv." Besonders schnell von Depressionen spricht die Pharmaindustrie. Aber: Zum Ersten ist nicht jedes seelische Tief eine Depression. Bei einer schweren Depression beherrschen einen Ängste, Schuldgefühle und negatives Denken, man verliert das Gefühl zum Leben, alles wird einem gleichgültig, oft selbst das eigene Leben. Zum Zweiten stimmt nicht alles, was über Antidepressiva verbreitet wird. Nur die Hälfte aller wissenschaftlichen Studien kam zu dem Ergebnis, dass Antidepressiva wirken!


Fr., 11.11. gemeinsam Essen

In Deutschland nehmen zwei von drei Kindern keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr in der Familie ein. Der Trend geht zum schnellen Essen zwischendurch. Zu Hause schieben sich Jugendliche eine Fertigpizza in den Ofen - ein höchst kalorisches Nahrungsmittel. Das Deutsche Ärzteblatt wies schon vor einem Jahr darauf hin, dass gemeinsame Mahlzeiten im Kreis der Familie vor Essstörungen schützen. Weitere Studien zeigen: Je häufiger im Alter von neun bis zwölf in den Familien zusammen gegessen wurde, desto besser waren zwischen 15 und 17 der Familienzusammenhalt und die Fähigkeit der Kinder, Probleme zu lösen.


Mo., 14.11. Burnout

Viele Menschen fühlen sich heute ausgebrannt. Es fehlt der Antrieb, man empfindet alles als Last, nichts interessiert mehr und die Freude am Leben geht verloren. Burnout hat gegenüber der Depression für die Betroffenen einen Vorteil: Wer ausgebrannt ist, kann die Rolle eines Kranken einnehmen, ohne krank genannt zu werden. Er darf pausieren, sich pflegen lassen in dem Glauben, Opfer einer Überforderung zu sein. Mehr noch: Burnout adelt. Wer ausgebrannt ist, hat viel getan. Einen Politiker, der im Wahlkampf durch Überanstrengung ohnmächtig wird, wird niemand kritisieren.


Fr., 18.11. Borderline

Borderliner trennen zwischen sich und der Welt, doch sie werden von inneren Zuständen getrieben und leben diese in Spannungen zur Außenwelt aus. Konträre Gefühle und Gedanken beherrschen sie zur gleichen Zeit. Der Wunsch nach Geborgenheit kann sich mit dem Wunsch nach Zerstörung paaren. Das Gefühl, jemandem zu vertrauen, mit der Angst, verletzt zu werden. Die Wahrnehmung von Lust mit dem Drang, sich selbst zu verletzen. Manche Borderliner schneiden oder verbrennen sich, damit ihre Spannungen nachlassen. Viele Patienten, die meisten sind Frauen, haben als Kind Gewalt oder Missbrauch erlebt.



Mo., 21.11. Guckst Du so!

"Was guckst du mich so an? Hast du Probleme?" Viele Jugendliche zeigen heutzutage ein gesteigertes Aggressionsverhalten. Wer so reagiert, muss sich vollkommen unsicher in sich selbst fühlen. Weil er sich bedeutungslos fühlt, spult er sich auf. Weil er Angst vor Ablehnung hat und weil diese Angst so stark ist, muss er alles tun, um Kontrolle zu gewinnen. Indem er die anderen mit seiner Wut einzuschüchtern versucht, bannt er die eigene Angst.


Fr., 25.11. Immer Ärger...

Wie heißt es so schön: "Die Polizei dein Freund und Helfer." Doch gerade dieser Freund vergreift sich oft im Ton. Allerdings ändert sich das Verhalten von Menschen nur, wenn man sie positiv motiviert. Sanktionen sind dafür ein wenig wirksames Instrument. Hirnforscher konnten zeigen, dass man besser behält, was man mit guten Gefühlen lernt. Was also will die Polizei: Verhalten ändern oder Vorschriften behaupten? Die Lernpsychologie zeigt einen effektiven Weg.



Mo., 28.11. Vorsicht Bildschirm


Medienforschern zufolge schauen sich Kinder in den USA allein im Fernsehen bis zum 18. Lebensjahr rund 200.000 Gewalttaten an. Computer sollen der Bildung dienen, heißt es. Aber was müssen Kinder lernen? Durch wissenschaftliche Studien wissen wir heute: Fernseher im Kinderzimmer verzögern bei Vorschulkindern die Sprachentwicklung. Je mehr Medienkonsum als Kind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand später einen schlechteren Schulabschluss macht oder gar in der Schule versagt.



Letzte Änderung am: 14.11.2011, 13.23 Uhr

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