Sendung vom Donnerstag, 5.1. | 22.03 Uhr | SWR2

Von Ulrike Janssen mit Texten von Thomas Kling
Mit: Susanne Reuter, Lu Janssen, Otto Sander sowie Originalton Thomas Kling
Komposition: Gerd Bessler
Regie: Ulrike Janssen
(Produktion: DLF/HR 2011)
"Vogelherd. mikrobucolica", so heißt einer der geheimnisvollsten und zugleich konkretesten Gedichtzyklen von Thomas Kling, der 2005 im Alter von 47 Jahren starb. "Vogelherd. mikrobucolica" klingt poetisch-geheimnisvoll, verweist aber auf eine grauenvolle Jagdmethode, die sich noch bis ins 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute. Ein Vogelherd ist eine Fangstelle mit Lockvögeln, denen man mit einem glühenden Kupferdraht die Hornhaut der Augen verbrannte. Die geblendeten Vögel, die nun nicht mehr zwischen Tag und Nacht unterscheiden konnten, sangen fortan immerzu so laut und so kräftig, dass andere Vögel herbeigelockt wurden, die dem Fänger ins Garn gingen. Thomas Kling recherchierte für seine Arbeit gründlich: am Schreibtisch, aber auch auf Reisen. Mit Materialien aus seinem Nachlass macht sich das Hörspiel auf die Spuren des Dichters und versucht dem Geheimnis seiner Texte nahezukommen.
Ulrike Janssen, geboren 1967 in Leverkusen, lebt und arbeitet als freie Hörfunkautorin und -regisseurin in Köln. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Französisch an der Universität zu Köln und promovierte dort mit einer Arbeit über „Heilige Zeichen“. Bis 2000 war sie Mitarbeiterin und Dozentin am Institut für Deutsche Sprache und Literatur in Köln. Daneben arbeitete sie unter anderem als Theaterkritikerin, Online-Redakteurin und Theaterdramaturgin. 1999 bis 2002 kuratierte und moderierte sie, zusammen mit Ute-Christine Krupp und Thomas Hettche, die Poetik-Reihe „Schreibfiguren“ in Köln, Stuttgart und Basel. Neben der Publikation „Zuerst bin ich immer Leser. Prosa schreiben heute“, die Ulrike Janssen zusammen mit Ute-Christine Krupp im Suhrkamp-Verlag herausgab, entstanden aus dieser Reihe auch die ersten Hörfunkfeatures für den Westdeutschen Rundfunk. Seitdem hat Ulrike Janssen, zunächst als Autorin, dann auch als Regisseurin und Produzentin ihrer eigenen Stücke, über dreißig Features für verschiedene Sender im deutschsprachigen Raum gestaltet, viele in Zusammenarbeit mit Norbert Wehr. Es sind zumeist akustische Porträts und O-Ton-Collagen über und mit Schriftstellern wie Peter Kurzeck, Reinhard Jirgl, Herta Müller, Anja Utler, Nicolaus Born, Einar Schleef, Hubert Fichte oder Peter Waterhouse, die sich ästhetisch an der Schnittstelle zwischen Feature und Hörspiel bewegen.
Ulrike Janssen war Stipendiatin der Deutschen Studienstiftung und des Grenzgänger-Programms der Robert Bosch Stiftung. - Bereits 2005 produzierte sie, in Zusammenarbeit mit Norbert Wehr, unter dem Titel „Nachbildbeschleunigung“ ein Hörfunkfeature zum ersten Todestag des Dichters Thomas Kling. „vogelherdrecherche“ mit und nach einem Text Thomas Klings ist die erste Hörspielproduktion von Ulrike Janssen als Autorin und Regisseurin. Sie entstand als Werkauftrag für die Frankfurter Positionen 2011 und wurde im Rahmen dieses Festivals am 8. Februar 2011 im Frankfurt LAB live präsentiert, in Zusammenarbeit mit der Malerin Ute Langanky (Rauminstallation) und dem vogelhertz®-Ensemble des Komponisten Gerd Bessler, das aus der gemeinsamen Arbeit am Hörspiel entstand.
Letzte Änderung am: 02.01.2012, 14.58 Uhr