Sendung vom Samstag, 7.1. | 12.15 Uhr | SWRinfo
Seit 2002 gibt es in Deutschland eine staatliche geförderte private Zusatzrente. Sie soll die Kürzungen in der gesetzlichen Rentenversicherung ausgleichen. Aber nur 40 Prozent der Förderberechtigten haben eine Riesterrente abgeschlossen. Die Renditen bleiben bisher hinter den Erwartungen zurück. Ein Großteil der Zulagen geht für üppige Provisionen von Versicherungsmaklern drauf.

In Schweden ist das anders. Dort hat man einen staatlichen Pensionsfonds eingerichtet, dessen Verwaltung nur wenig Geld verschlingt. Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erläutert.
Bei der Riesterrente muss man grundsätzlich zwei Phasen unterscheiden. In der ersten Phase wird das Geld angespart und da entscheiden sich die meisten für eine herkömmliche Kapitallebensversicherung. Man kann aber auch mithilfe eines Fonds oder mit einem Banksparplan Vermögen bilden. Bei diesen unterschiedlichen Wegen ergeben sich natürlich unterschiedliche Renditen. In der zweiten Phase wird das Geld dann ausgezahlt, und zwar in Form einer monatlichen Rente. Dabei muss man folgendes sehen: Wenn man eine angesparte Summe in eine laufende Rente umwandelt, dann hängt die Höhe der monatlichen Überweisung von der unterstellten Lebensdauer ab. Und hier wird oft getrickst: Viele Versicherungen sind übervorsichtig und kalkulieren mit sehr langen Lebenszeiten, was die monatlichen Auszahlungen absenkt. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, sagen die Verbraucherschützer. Auch die Bürger auf der Straße, die Wolfgang Brauer befragt hat, äußern viel Kritik.
15 Milllionen Riesterverträge sind bisher in Deutschland verkauft worden, die Zulagen dafür haben bisher fast 11 Milliarden Euro verschlungen. Und der Förderbetrag steigt kontinuierlich. In diesem Jahr dürften etwa 2,9 Milliarden Euro zusätzlich fällig werden. Der Großteil der Zulagen wird wieder bei den Versicherungsvertretern und Bankberatern hängen bleiben und nicht dazu beitragen, die Ansparsumme zu vergrößern. Besonders üppig kann die Branche abkassieren, wenn die Kunden mithilfe einer Kapitallebensversicherung Geld ansparen, und Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist sich im Gespräch mit Bernd Roling sicher, dass es auch in diesem Jahr in den meisten Fällen wieder so laufen wird.
In einem Punkt will die Politik jetzt die Zügel anziehen: Nach den Vorstellungen des Bundesarbeitsministeriums sollen die Versicherer ihre Kunden wieder zu 90 Prozent an den sog. Sterblichkeitsgewinnen beteiligen. Sie fallen an, wenn weniger Menschen sterben als einkalkuliert, und seit 2005 müssen die Lebensversicherungen diese Überschüsse nur noch zu 75 Prozent den Kunden gutschreiben. Außerdem sollen die Riesterprodukte transparenter und vergleichbarer werden, lässt die Bundesregierung verlauten. Und damit kommen wir zum zentralen Anliegen der Riesterrente, nämlich die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente auszugleichen. Doch heute muss man feststellen, dass die Altersarmut zunimmt. Christof Gaißmayer mit Einzelheiten.
Der wachsende Niedriglohnsektor wird dafür sorgen, dass die Altersarmut zunehmen wird. Zumal Geringverdiener nur wenig Spielraum haben, privat fürs Alter vorzusorgen!Erschwerend kommt hinzu, dass sie sich in Finanzfragen kaum auskennen und so leicht über den Tisch gezogen werden können. Das ist ein Aspekt, der bei der Einführung der Riesterrente vor zehn Jahren kaum beachtet wurde: Die Umstellung auf eine teilweise privat finanzierte Rente zwingt die Bürger, sich mehr mit der Geldanlage zu beschäftigen, in Zeiten dauernder Finanz- und Schuldenkrisen ein sehr schwieriges Feld! Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erläutert das im Gespräch.
Die meisten Förderberechtigten greifen bei der Riesterrente nicht zu – völlig zu Recht, meint Peter Heilbrunner. Trotzdem könne sich der Irrweg einer privaten Zusatzversicherung wiederholen. Denn auch bei der Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung will die Bundesregierung die Tür für private Anbieter öffnen: Die Bürger sollen sich zusätzlich privat gegen das teure Pflegerisiko absichern. Also eine ähnliche Strategie wie bei der Altersversorgung, und das trotz aller Mängel, die sich 10 Jahre nach Einführung der Riesterrente zeigen! Ein Kommentar von Peter Heilbrunner.
Redaktion und Moderation: Bernd Roling
Letzte Änderung am: 05.01.2012, 10.17 Uhr